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Ein Instrument zu lernen, selbst Musik machen....wie schwer ist das wirklich?

Dieses Thema im Forum "Eigene Themen" wurde erstellt von Dreas, 26.April.2017.

  1. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Ich sehe grade bei den Kleinanzeigen einige Angebote, wo Saxe verkauft werden, weil man damit nicht klar kam und aufgegeben hat.

    Ich beobachte wie hier motivierte Anfänger, die sich richtig reinhängten, wieder verschwinden (gut, einige sind auch nur aus dem Forum raus und machen vielleicht immer noch Musik, aber ich denke da sind auch viele Aussteiger dabei) und wahrscheinlich aufgebaben.

    Aus meiner Sicht ist es doch gar nicht so aussichtslos, passabel spielen zu können.

    Wenn ich so höre, sehe und lese was ICH noch nicht kann, bin ich vielleicht bei maximal 5% von den Fähigkeiten eines echten Profis. (nach 7 Jahren und Späteinsteiger...)...wenn überhaupt.

    Mit diesen 5 %....

    ....hab' ich jeden Tag unglaublichen Spass
    ....kann ich mir mein Horn schnappen und Musik machen
    ....kann zu Songs im Radio mitspielen
    ....veträgliche Aufnahmen hier hochladen
    ....in einer Band vor Publikum spielen, ohne ausgepfiffen zu werden

    Nur max. 5%! Das finde ICH super....hätte ich mir vor sieben Jahren nicht erträumt....

    Gut, aus meiner Sicht braucht es, mehr oder weniger, 3 Jahre um in die Richtung zu kommen (was nicht heißt, daß die ersten drei Jahre keinen Spaß machen...ich hab schon nach 1,5 Jahren vor Publikum gespielt...das war wohl auch für's Publikum anstrengend, aber sie haben IMMER meinen Einsatz goutiert!).....und natürlich gibt es Talente, da geht es schneller...und wenn es länger dauert....so what?

    Aber was sind denn 3 Jahre? In welchem ernsthaften Hobby erreicht man denn schneller ein darstellbares Niveau? (Immer aus Sicht eines Späteinsteigers).

    Im Grunde kann man aus meiner Sicht mit selbstgemachter Musik recht schnell einen hohen Grad an Befriedigung erreichen....sofern man keine unrealistischen Erwartungen hat (letztlich scheitern m. E. viele daran).
    Schade, wenn dann zu früh aufgegeben wird, oder? (Ja, wenn sich dann gar kein Spaß einstellt, ist es ja auch gut.)

    Wie seht ihr das? Wie habt ihr das empfunden?

    CzG

    Dreas
     
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  2. Rick

    Rick Experte

    Das ist in meinen Augen wirklich das Hauptproblem, jedenfalls sehe ich das immer wieder bei erwachsenen Schülern. Da spielt jemand ein paar Monate, vielleicht ein Jahr, kommt kaum zum Üben und ist ständig nur frustriert - obwohl er meines Erachtens bereits klasse klingt und einfache Stücke locker, fürs Ohr angenehm, vortragen kann.
    Natürlich hapert es mit der Geschwindigkeit, natürlich wirken die ersten Improvisationen noch nicht so souverän - aber immerhin!

    Oft sind Erwachsene nach einem Jahr deutlich weiter als Kinder oder Jugendliche in derselben Zeit - weil sie schneller verstehen und, zumindest anfangs, deutlich motivierter sind. Außerdem lernen sie nicht zum ersten Mal etwas, sondern haben in Ausbildung und Beruf meistens schon für sie funktionierende Lernstrategien entwickelt, was sehr viel ausmacht.

    Aber die ständige Unzufriedenheit: Warum klappt das denn nicht besser? Warum quietscht das gelegentlich? Warum habe ich denn immer noch dieses Problem, obwohl du mir das schon so oft gesagt hast? Warum klingt das bei dir (Lehrer) so einfach?
    Zumindest auf die letzte Frage gibt es eine schlichte Antwort: Weil ich fast 40 Jahre länger Saxofon spiele als du! :D

    Ich denke, das liegt auch am Computer-Zeitalter: Wir können heute mit Hilfe von Software so viele Dinge selbst machen, für die man früher gut ausgebildete, erfahrene Fachleute benötigte (z. B. Drucken - kann sich noch jemand an den anspruchsvollen Beruf des Drucksetzers erinnern?), selbst im Bereich der Musik gibt es ja verblüffende Hilfsmittel wie Band In A Box usw., dass man dadurch auf den Gedanken kommt, sooooooo schwer kann das Musizieren ja auch nicht sein. Viele Keyboards spielen praktisch automatisch, im TV stehen junge Teenager auf der Bühne und singen scheinbar perfekt (dank Auto-Tuning etc.), also muss das bisschen Sax auch noch zu bewältigen sein...

    Bei Kids ist das allerdings teilweise noch schlimmer - die kennen ja oft überhaupt nichts mehr, wofür man sich zwingen und überwinden muss, selbst Sport wird nach dem Lustprinzip betrieben, wer engagiert sich schon im Verein?, also meinen sie, Musik macht sich quasi von selbst. Wenn schon Musik-Downloads kaum etwas kosten, dann wird das alles auch nichts Besonderes sein, ohnehin zählt ja vorwiegend der Sänger, und das kann ja auch irgendwie jeder (irgendwie)...

    Aber schön, dass Du, @Dreas, und viele andere hier das offenbar nicht so sehen - das lässt uns arme alte Lehrer noch auf die Zukunft der Musik setzen! :)

    (Wobei ich kürzlich ein Gespräch mit meinem Sohn hatte darüber, dass er eigentlich ausschließlich maschinell hergestellte Musik konsumiert, bei der praktisch keine "echten" Instrumente mehr erklingen, selbst die Stimmen der Sänger sind durch mannigfaltige Filter usw. verfremdet; das sei nun mal sein Geschmack, das würden viele seines Alters hören, alles nicht-Elektronische finde er zu unaufregend...) :-(


    Viele Grüße,
    Rick
     
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  3. xcielo

    xcielo Gehört zum Inventar

    Moin,

    es ist sicher unbestritten, wie sehr der Computer die Welt verändert hat.

    Aber es hat auch schon früher, lange bevor der Computer im Alltag eine Rolle gespielt hat, das Phänomen gegeben, dass viele Erwachsene angefangen haben ein Instrument zu lernen, aber nach einiger Zeit aus den verschiedensten Gründen wieder aufgehört haben.

    Wenn ich an die vielen Personen denke, die etwa mit mir zusammen angefangen haben, sich musikalisch zu betätigen, und wann 90 % davon das wieder einstellten.

    Gleiches gilt und galt übrigens auch für andere anspruchsvollere Betätigungen.

    Gruß,
    Otfried
     
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  4. sachsin

    sachsin Ist fast schon zuhause hier

    @Dreas stellt die Frage:

    Ein Instrument zu lernen, selbst Musik machen....wie schwer ist das wirklich?


    …. und als erste Antwort die Sicht eines Lehrers. Vielen Dank @Rick für Deine umfassende Antwort, in der Du viele Aspekte aufführst, die einen späten Schüler bewegen.

    Ich hatte heute außerplanmäßig Unterricht. Warum ? Weil ich derzeit kaum zum Saxophon spielen komme durch meinen Dienst an einer privaten Schule, wo unsere Schüler Kunden sind und wir Lehrer Dienstleister. Das erfordert mehr Engagement als man einem Außenstehenden vermitteln kann. Meine Mutter ist seit Jahren schwer pflegebedürftig, was ebenfalls Zeit und viel Verständnis wie Zuwendung erfordert…. Und eine Partnerschaft will auch gelebt sein.

    Mein Saxophon ist für mich Fluchtpunkt: man spannt sein Blättchen aufs Mundstück, spielt seine Tonleitern zum Einspielen und dudelt zur Entspannung DAS was man glaubt zu können … Und während man so für sich vor sich hin dudelt, erkennt man durchaus, dass man - gemessen an anderen - Nichts kann !

    Und dann denkt man weiter:

    … eigentlich sinnlos sich noch mit dem Sax zu beschäftigen. Denn im Laufe der Zeit hat man ja doch etwas sein Gehör geschult und nimmt wahr, dass die Intonation Schiete ist, die Noten nicht richtig interpretiert werden. Aber !! Immerhin kennt man die Notenwerte und kann sogar Dur und Moll unterscheiden.

    Doch wenn man wiederum seine Aufnahmen hört, so hat man den reflexartigen Wunsch die Löschtaste zu drücken.

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    Und dann gibt es so einen wunderbaren Lehrer wie meinen, der einen puscht, fördert, Mut macht, auf Fehler hinweist und erklärt wie man sie vermeiden kann…. Manchmal denke ich, warum tut er (der Lehrer) sich das schon die vielen Jahre lang an, z.B. mit meinen Terminumplanungen, dem nicht geübt zum Unterricht erscheinen, immer wieder an Haltung, Atmung und dergleichen zu feilen - und nach langen Pausen den Anschluss her zu stellen an bereits Vermitteltes, was die Schülerin schon mal sicher konnte…..

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    Ich denke man sollte sich immer wieder selbst eine Chance geben dran zu bleiben und sich keinen Vergleichen von „besser“ oder „schlechter“ mit Anderen unterziehen. Das was man mittlerweile erlernt hat ist mit Freude zum Instrument unter den Schwierigkeiten des Alltages, der nun mal nichts (!) mit Musik zu tun hat, erarbeitet. Das habe ich für mich mittlerweile auf der der Habenliste erkannt...
    Und es gibt sie ja die kleinen Erfolge, den Zuspruch: wenn man sich mutig mit seinem Saxophon mit einem Liedchen im Programm beim Sommerfest der Schule beteilgt, zum Abschlussfest seiner Klasse an den Elbwiesen spielt… Wenn meine Mitspielerin am Klavier fragt, wann wollen wir proben ?

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    Das Sax spielen habe ich jenseits meines 50igsten Geburtstages begonnen und entsprechend meiner Möglichkeiten einen Stand erreicht, der mich vom Alltag Abstand gewinnen läßt und mentale Ruhe gibt, auch Kraft für die Aufgaben des kommenden Tages.

    Ein Meister werde ich nicht mehr, aber kleine Perlen werde ich mir erarbeiten – irgendwann, auch wenn es mit Schwierigkeiten verbunden ist. Kleine Erfolge anzunehmen und zu wissen, dass die Entwicklung auf einem Instrument nur mit Üben und Neugier zu erreichen ist. Dafür habe ich (hoffentlich) noch viele Jahre in meinem Leben Zeit….

    Viele Grüße :)
    Christine
     
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  5. stefalt

    stefalt Ist fast schon zuhause hier

    @sachsin das Szenario kenne ich nur zu gut. Schön, wenn man weiß, das man mit sowas nicht alleine ist.:)
     
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  6. Claus

    Claus Moderator

    Das erinnert mich an unser Interview mit Greg Fishman. Der sagte zu dem Thema Folgendes:

     
  7. hoschi

    hoschi Ist fast schon zuhause hier

    dann bin ich auch einer der wenigen, die dabei geblieben sind...wenn auch mittlerweile auf tenor, hab da ein wunderbares horn kaufen dürfen!
    und beginne nun fast von vorn...mit dem neuen blech ist die motivation gestiegen, ich blase auch mal flott vor der haustür des nachbarn ein happy b.-day an seinem geburtstag,
    die ein oder anderen falschen töne können mich eh...werden langsam weniger...
    im frühjahr/frühsommer ist es für mich schwerer, da die allergie einherkommend mit astma dann doch ihren tribut zollen wollen...müssen...werden...
    und natürlich mein 1 hobby alles mit motor und benzin, gerne laut und gestank, flott, draussen, kurven...usw...kann nicht davon lassen...
    profi werde ich nicht werden, mit der einstellung habe ich auch nicht angefangen...das spielen (damals) eines saxophons war/ist ein lebenstraum von mir...
    hab/hätte da noch einen, den ich wohl eher nicht verwirklichen kann, oder hat jemand für kleines einen helikopter abzugeben:D? inkl stellplatz hier im tal bei mir?
     
  8. JES

    JES Ist fast schon zuhause hier

    Vielleicht auch eine Kombination aus mehreren Punkten.

    Die Anspruchshaltung des Schülers ist das eine. Viele merken, dass es eben nicht damit getan ist ab und an mal ein Saxophon in die Hand zu nehmen, wenn man wie ein Profi spielen möchte. Das ist wie beim Sport. Ich kann nicht mal eben 42.X km laufen, ohne Training, und noch erwarten unter den besten 10 zu sein. Da ist viel Beißen und Schmerz angesagt, und das gilt in der Musik eben auch. Andere merken vielleicht, dass der Wille zwar da ist aber das Talent fehlt. Oder dass man einfach den Punkt verpaßt hat überhaupt noch die 42,X km zu schaffen und man sich mit 21,X km begnügen müßte.

    Umgekehrt erlebe ich eben als Spätberufener auch, dass der Lehrer einen Ehrgeiz entwickelt, dem ich nicht folgen will. Mir reicht die Hausmusik, das Mitspielen zu irgend welchen Stücken, auch nur nach Gehör, oder ich akzeptiere eben auch mal schiefe Töne bei einer Interpretation, weil ich eben die theoretischen Zusammenhängen in einem Stück nicht mehr lernen möchte. Vielleicht habe ich auch eine Phase, in der ich eben mal nicht weiterkommen möchte im Sinne von die nächsten Stücke im Lehrbuch, sondern ich merke, dass die bisherigen Stücke zwar fingertechnisch sitzen, ich aber am Klang noch etwas feilen will. Da traf ich bei meinen Lehrern, die alle von der Hochschule kamen, nur auf Unverständnis (ich brauche in meinem Job so viel den Kopf, dass der beim Saxophonspielen einfach mal Pause macht).

    Natürlich kommen bei uns Late Boomern noch andere Faktoren dazu. Wir haben i.d.R. mehrere Hobbies, die alle gepflegt werden wollen (ich fahre z.B. Motorrad, die Älteren, an denen man noch Schrauben muss und kann, liebe meinen Frogeye, der aber eben auch mal ein bischen Zuwendung braucht, habe einen Garten....), wir haben Familie, wir haben einen Beruf, wir haben auch mal schlicht keine Lust. Vielleicht merken wir eben auch an dem ein oder anderen Punkt, dass die Anschaffung von teurem Equipment nicht das fehlende Training oder Talent kompensiert.
    Bei den Jüngeren kommen da ev. andere Faktoren wie Studium oder die ersten Kinder.
    Die noch Jüngeren werden ev. von den Eltern getrieben ein Instrument zu lernen....wie bei mir mit Klarinette, oder der Kumpel spielt E-Gitarre und ist viel cooler.
     
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  9. Saxophonia

    Saxophonia Ist fast schon zuhause hier

    Ich denke ebenfalls: Es hat viel damit zu tun, dass viele Menschen nicht mehr gewohnt sind, Einsatz zu leisten für etwas.

    Mein Saxophonlehrer zitiert gelegentlich seinen Grossvater: "Alle wollen etwas sein, niemand will es werden." Das bringt es schön auf den Punkt, finde ich.

    Dabei heisst es doch auch: "Der Weg ist das Ziel."

    Aber wie sagte kürzlich meine Lieblingskabarettistin (Bea von Malchus) so treffend: "Ja ja, der Weg ist das Ziel.... Bloss: Das Ziel stand mir im Weg." :)
     
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  10. Long John Silver

    Long John Silver Ist fast schon zuhause hier

    Aus meiner Sicht gelten die gleichen Regeln wie für andere intellektuell und motorisch anspruchsvolle Tätigkeiten: 99% Transpiration und 1% Inspiration.

    Lernen an sich ist ein Prozess, der in Facetten individuell ausgestaltet aber im Wesentlichen immer gleich ist: Eine bewusstseinspflichtige Handlung muss so oft im Kopf und mit der Hand wiederholt werden, bis sie in unbewusste Schichten des Gehirns "absinkt". Von dort kann sie - bei regelmäßiger Anwendung - nicht nur blitzschnell abgerufen sondern auch im anderen Kontext verknüpft werden.

    Und genau das ist des Pudels Kern: die Wiederholungen erfordern Zeit und Muße, damit sie gut "absinken".
    Gute Autofahrer haben - im wahrsten Sinne des Wortes - Er-Fahrung.

    Moderne Menschen, die ihren Lebensunterhalt nicht mit Musik verdienen und auch sonst keine soziale Insel sein wollen, müssen dazu Prioritäten setzen.

    Mir geht das mit den Prioritäten jeden Tag so - und dann bin ich manchmal regelrecht wütend, wenn mir jemand einen Strich durch die Rechnung macht, z.B. weil mal wieder Stau ist und ich die Stunde Tröten, auf die ich mich schon den ganzen Tag freue, im Auto verbringe. Da bringt es auch nichts, mit dieser Wut im Bauch irgend etwas anderes erreichen zu wollen, als sich den Frust wortwörtlich aus der Kehle zu blasen. Fortschritt: gegen null.

    Dagegen aber: diese kleinen, verzauberten Momente, in denen man ganz bei sich sein darf, wo der Geist Spiel-Raum hat, wo die Kunst den Staub des Alltags von der Seele wäscht und auf einmal swingt und klingt es, Sachen, die noch nie richtig geklappt haben, flutschen einfach so und man wünscht sich, dieser Moment möge doch bitte andauern...

    Und dann gibt es immer wieder Tage, an denen ich den ganzen Klumpatsch an die Wand schmeissen will, weil "es ja doch nichts bringt". Zum Glück konnte ich mich bisher beherrschen ;-)

    Immerhin ist es mir schon einmal passiert, dass meine Hörner eingestaubt sind. Das möchte ich für die Zukunft vermeiden, auch wenn ich im Leben kein grossartiger Saxer mehr werde. Eine Frage der Erwartungshaltung. Wenn ich unfallfrei durch 30-40 Standards spielen kann und vielleicht bei 10-15 harmonisch/melodisch/rhythmisch weniger komplexen davon eine für mich erfreuliche Improvisation hinbekomme, werde ich viel erreicht haben.

    Dementsprechend verkneife ich mir auch Selbstdarstellung - sowohl in Form von Auftritten oder veröffentlichten Aufnahmen als auch in Form übermäßiger Logorrhoe zum Thema - zumindest auf die Zustimmung heischende Art (die ohnehin nur zu wertlosen Höflichkeiten führt).
    Ein schlecht gespieltes Solo ist ein schlecht gespieltes Solo, falsch Transponiert ist falsch Transponiert. So einfach ist das. Da hilft kein Gelaber.

    LJS
     
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  11. 47tmb

    47tmb Ist fast schon zuhause hier

    Gut, dass aber auch Veranstaltungen mit handgemachter Musik unterschiedlicher Genres auch mit jungen Menschen befüllt werden :)
     
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  12. KKäte

    KKäte Schaut nur mal vorbei

    Das ist ein sehr interessantes Thema. Ich denke, dass es viel an fehlerhafter Selbsteinschätzung und übersteigerten Erwartungen mit mangelndem Durchhaltevermögen liegt.

    Ich fand es ganz toll, dass ich nach zwei Monaten mit dem Instrument schon fünf bis sechs Lieder zu Weihnachten spielen konnte. Das hatte aber wenig mit "Musik machen" zu tun, da ich die Noten vom Blatt gelesen habe (was ich in den zwei Monaten jeden Tag abends auf der Couch geübt habe) und die Melodie im Kopf hatte und daher wusste, wann ich die nächste Note zu spielen habe.

    Nun lerne ich halbe Note, halbe Pause, viertel Note usw. Das verlangt mir wirklich alles ab, weil ich weder Takt- noch Rhythmusgefühl habe und auch die Noten noch nicht so sicher lesen kann und deswegen an den einzelnen Noten "klebe". Ich weiß aber auch, dass ich mich bei diesen stupiden Übungen sehr schnell langweile und da ich mich kenne, kombiniere ich lieber mehrere Übungen, auch wenn es noch nicht perfekt klingt, als mein Übungsbuch brav von vorne nach hinten durchzuspielen.

    Zudem soll das Sax auch für mich da sein und nicht umgekehrt ich für das Sax. Ich bin erwachsen und mir der Konsequenzen bewusst, dass ich nicht besser werde oder Probleme mit dem Ansatz bekomme, wenn ich nicht übe. Wenn ich wichtigere Dinge zu tun hatte, dann ist es eben so und wenn ich keine Lust zum Üben hatte, dann ist es auch ok.
     
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  13. ppue

    ppue Experte

    Ein Instrument zu lernen ist schwierig. Als Kind wesentlich einfach, aber selbst in dem Alter braucht es viel Zeit, um ein mittelguter Spieler zu werden.

    Meine Frau hat viele Hobbys. Das Saxophonspielen ist ihr das unliebste. Warum? Sie sagt: Hier werde ich nicht mehr gut drin, komme nicht dahin, etwas Gelungenes vorzustellen.

    Ansonsten schreibt sie Prosa, malt, töpfert und strickt. In allen Bereichen ist sie so fit, dass die Sachen Geld einbringen. Nicht immer viel, aber immerhin.

    Und das schafft man eben mit dem Instrument selten, wenn man die Sache nicht schon sehr lange betreibt. Mit einem Instrument kommt man in der Regel, besonders als Späteinsteiger, an den semiprofessionellen Bereich nicht mehr heran.

    Aber es gibt Ausnahmen, wie man z.B. an @Dreas sieht. Auch in Blaskapellen, alternativen Orchestern oder anderen Ensembles kann man es durchaus so weit bringen, dass man zumindest ab und zu Auftritte hat.

    Schwierig zu lernen ist es, wenn man eben nicht in irgend einer Gruppe spielt, wenn also kein dem eigentlichen Üben übergeordnetes Ziel vorhanden ist. Da ist das Saxophonforum mit den TotMs und den regionalen Treffen schon 'ne prima Sache, etwas aus dem eigenen Quark zu kommen.
     
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  14. Peter1962

    Peter1962 Ist fast schon zuhause hier

    Ich glaube, dass beim Instrument lernen nicht das Zusammenspielen mit anderen fehlen darf. Nur die wenigsten von uns sind Stubenhocker und
    Langeweiler. Müsste ich mein Sax nur alleine spielen, würde ich halb so viel Zeit hinein investieren. Jetzt locken mich die Vereinskollegen, in großer und in kleiner Besetzung.
    Zusätzlich habe ich mich mit unserem Tenorsaxer zusammen getan. Ein weiterer Freund hat uns Stücke für diese Besetzung arrangiert und ist sozusagen unser Diri . Momentan,
    kommen noch musikalische Vorbereitungen für den Polterabend des Sohnes dazu. Immer wird Musik gemacht, die ich alleine üben muss und immer ist Spaß und gute Laune dabei.
    Ggf. bis zum gemeinsamen Grillen danach. Ich grille, wir alle Essen und Trinken.
    Die Kombination nötigt mich fast, besser werden zu wollen. Das gilt nicht für alle von uns, aber die Fluktuation ist gering bei uns Spätanfänger.

    Gruß von der kalten Ostsee Peter
     
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  15. SaxPistol

    SaxPistol Ist fast schon zuhause hier

    Hmmm, jetzt ist ja schon 'ne ganze Menge gesagt, aber noch nicht von mir :D

    Also zur Ausgangsfrage: Ein Instrument zu lernen, selbst Musik machen....wie schwer ist das wirklich?
    Viele haben hier schon geschrieben, dass mit das Wichtigste eigentlich das Durchhaltevermögen ist. Das sehe ich ähnlich.
    Aber wie bekommt man das Durchhaltevermögen?

    Man muss sich erst einmal selbst motivieren können. Man darf nicht auf das "Toll gemacht!" der anderen warten, sondern sich selbst seine (kleinen oder großen) Fortschritte vor Augen halten und sich daran freuen.

    Man sollte möglichst früh Kontakt zu anderen Einsteigern herstellen und beizeiten etwas gemeinsam machen. Das beflügelt, auch wenn erstmal rein subjektiv nicht viel Gescheites dabei rauskommen mag.

    Man darf sich nicht an bestimmten Sachen festbeißen, denn das wirkt früher oder später frustrierend/demotivierend. Ich bin bis jetzt ganz gut gefahren, dass wenn ich mal ein Stück/eine Übung etc. im normalen Zeitrahmen nicht hingekriegt habe, das Ding einfach nochmal weggelegt habe und erstmal was anderes gemacht habe. Das ist keine Schande.
    Und irgendwann später fiel mir dann ein: Da war doch noch was!? Das probiere ich jetzt noch mal. Und wie durch ein Wunder hat's dann funktioniert.

    Auch wichtig: der Proberaum. Der _nicht vorhandene_ Proberaum war ja schon öfters Ursache dafür, dass Leute das Saxophon spielen aufgegeben haben, da ihnen Nachbarn, Frau, Kinder, wer auch immer auf's Dach gestiegen sind, was in der Regel auch eher demotivierend wirkt.

    Diese Durchhalteliste lässt sich bestimmt noch fortsetzen. Das waren bloß so meine spontanen Gedanken.
    Und da gehe ich dann mit @Long John Silver s
    mit. Durchschnittlich begabte Menschen kommen m.E. mit viel Willen, Disziplin und Durchhaltevermögen recht weit. Und das letzte 1% unterscheidet dann eben die richtig guten Leute von denen, die halt "ganz hörbar" spielen.
     
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  16. Roland

    Roland Ist fast schon zuhause hier

    Maschinell hergestellt?

    Du brauchst - derzeit noch - einen Menschen, der Klänge programmiert, einen Menschen, der mit einer DAW umgehen kann, ein Mensch, der die zu verwendeten Effekte auswählt, ... ich kenne jedenfalls noch keine Programm, bei dem ich einfach einige Parameter angebe (angestrebter Platz in den TOP 10, Anzahl arschwackelnder Groupies, Kultfaktor, ...) und dann wird der Track automatisch produziert.

    Das die Soundästhetik und die Mittel ganz andere sind als bei Jazz oder MaPoWa, da gebe ich Dir recht. Darüberhinaus hat die elektronische Musik in seiner deutlich mehr als 100-jährigen Geschichte eine große Bandbreite ...aber da gilt - wie auch beim Jazz: 08/15-Techno ist für elektronische Musik so beispielhaft wie Dixieland für Jazz.

    To whom it may concern (caution: flash ahead)
    http://techno.org/electronic-music-guide/

    Grüße
    Roland
     
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  17. Wenke

    Wenke Kann einfach nicht wegbleiben

    Eine wirklich interessante Unterhaltung... Ich, als nicht Spät-Einsteigerin, kann die Fluktuation aber durchaus auch bei der jüngeren Generation feststellen. Ich habe damals (vor 15 Jahren) mit 12 Jahren in der Schul-Big Band angefangen, wie viele andere meiner Mitschüler über die Jahre hinweg dort ebenfalls und ich bin, soweit mir bekannt ist, mehr oder weniger die einzige von ca. 10 Leuten (aus meinem Jahrgang bzw. + 1-2 Jahren nach mir) die überhaupt noch ihr Instrument spielen... Die Meisten haben einfach die paar Jahre in der Schule gespielt und danach aufgehört. Das verstehe ich leider auch nicht wirklich... Wenn man es zeitlich nicht mehr schafft ok, aber nachdem ich 4 Jahre schon investiert habe, höre ich doch nicht einfach auf. Möglichkeiten, wo man mitspielen kann, finden sich immer (leider auch häufig zu viele [schreibe dies hier gerade mit akutem Schlafmangel, da ich momentan täglich abends irgendwelche Proben habe :eek::D]).

    Aber manche wollen, wie hier auch schon öfters jetzt geschrieben, einfach nicht mehr Zeit investieren oder Tipps annehmen und bleiben dann natürlich irgendwann einfach auf der Strecke. Das ist leider schade, für einen selbst, aber auch für die Mitmenschen, die sich das dann anhören müssen :hilarious:

    Ich bin ganz froh, dass ich Band-Proben habe, so komme ich überhaupt zum üben, das vernachlässige ich leider alleine sehr...

    Auch habe ich gerade das Gefühl, dass meine Verbesserungen so ganz nebenbei einfach stattfinden, ohne das ich merke, dass ich jetzt etwas besser kann als vorher... Ich denke dann irgendwann plötzlich "Ach guck mal, das war vor ein paar Monaten noch gar nicht möglich in dem Umfang." Lustiges Phänomen :) Ist aber auch stark vom Lehrer abhängig wie ich finde... Seit knapp über einem Jahr nehme ich wieder Unterricht und ich habe dadurch riesen Schritte gemacht, einfach weil da jemand ist, der mir die richtigen Ratschläge gibt. Es ist Gold wert!
     
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  18. ppue

    ppue Experte

    Na klar. Einmal ist es oft eher der Wunsch der Eltern, dass das Kind ein Instrument lernt und dann, ganz entscheidend, kommt die Pubertät, wo plötzlich ganz andere Sachen wichtig sind.

    Außer, man hat es mit 16 schon auf die Bühne geschafft und erhofft sich so bessere Chancen beim anderen Geschlecht (-:
     
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  19. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Ich stimme hier vielen Beiträgen zu:

    Ein entscheidender Faktor durchzuhalten und besser zu werden ist das gemeinsame Musizieren, ob nun in einer Saxformation, Combo, Bigband, wo auch immer.

    Sicher gibt es auch diejenigen, die auf Dauer sich selbst genug sind und glücklich mit Playalongs werden. Die Regel ist es wohl eher nicht.

    Wie schreibt @Bereckis immer so schön? "Musik ist Kommunikation!"

    Mit einem PA kann ich nicht kommunizieren, und wenn ich nur für mich spiele ist das wie Selbstgespräche führen...

    CzG

    Dreas
     
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  20. Peter1962

    Peter1962 Ist fast schon zuhause hier

    Zusätzlich hat die Jugend ein enormes Angebot. Immer mehr Eltern glauben, dass es für die Entwicklung eines Menschen wichtig ist,
    alles erdenkliche (ggf. sogar gleichzeitig) kennenlernen zu müssen, um dann wirklich zu wissen, was die Lieblingsbeschäftigung sein soll..
     
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