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Einkommen der Künstler in Deutschland

Dieses Thema im Forum "Eigene Themen" wurde erstellt von Gerrit, 6.Dezember.2017 um 13:43 Uhr.

  1. Gerrit

    Gerrit Experte

  2. b_nic

    b_nic Ist fast schon zuhause hier

    Mich wundert das gar nicht.... wenn irgendwo eine Band genial spielt, dann quatschen die Leute nur.... "können die nicht leiser spielen man kann ja gar nicht reden.".... mehr gibt es da eigentlich nicht zu sagen....
     
  3. Rick

    Rick Experte

    Ja, gut und schön, aber war es denn je anders?

    Meiner Ansicht nach sollten die jungen Künstler, bevor sie entsprechende Ausbildungen beginnen, sich vorher klar die Marktchancen anschauen. Man kann nicht davon ausgehen, dass die Welt auf einen gewartet hat, man muss sich seine Stellung erst mühsam erkämpfen. Wer dafür keine finanzielle Unterstützung hat (Sponsoren, besonders beliebt: die Familie), der muss sich eben seinen Unterhalt auf andere Weise verdienen.
    Schon immer haben Kunstmaler Auftragswerke erledigt, um sich damit das zu finanzieren, was sie für sich bzw. "für die Kunst" getan haben. Und viele jobben in anderen Bereichen, als Kellner, Taxifahrer, Handwerker (einige Jazzer, die ich kenne, waren lange als Gärtner tätig) - eines meiner Lieblingsbeispiele ist der bekannte Songwriter Jimmy Van Heusen (u. a. Komponist von "Polka Dots and Moonbeams", "Here's That Rainy Day" usw.), der in dem New Yorker Hochhaus, wo ein bekannter Drogendealer residierte, als Liftboy jobbte, um so Kontakt zu all den erfolgreichen Musikern zu bekommen, die dort als Konsumenten ein und aus gingen, wie der Swing-Bandleader Charlie Barnet in seiner lesenswerten Biografie "Those Were The Days" berichtet. Van Heusen war damit erfolgreich, er konnte Songs bei Benny Goodman, Tommy Dorsey und so Frank Sinatra platzieren, die sie spielten, aufnahmen und bekannt machten, was ihm schließlich den Durchbruch brachte. :cool:

    Aber eine Erfolgsgarantie gibt es nun mal nicht, die gab es auch nie. Entweder bin ich künstlerischer Dienstleister und kann so auch am Wirtschaftsaufschwung teilhaben, oder ich sitze in meiner Wohnung, warte darauf, "entdeckt" zu werden - und verhungere allmählich. Beispiele dafür kenne ich leider auch: Künstler, die sich zu schade waren für profane Dinge, und damit ständig nur anderen auf der Tasche lagen...

    Oh, ich bin schon oft "entdeckt" worden, aber das war nie etwas von Dauer, irgendwann ist die geniale Platte ausverkauft, die vielversprechende Tour zu Ende, der tolle Fernsehauftritt gesendet usw., und man sitzt wieder da, wo man vorher war.

    Und wie war es früher? Viele bekannte Dichter, Maler und Komponisten hatten "Brotjobs", reiche Familien, oder waren Hungerleider. Viele wurden erst nach dem Tod berühmt, die meisten wurden vergessen.
    Nichts Neues unter der Sonne.


    Realistische Grüße,
    Rick
     
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  4. klafu

    klafu Ist fast schon zuhause hier

    Abi Wallenstein hat aus dem Grunde mal sein Konzert unterbrochen und gebeten, das gequatsche vor der Tür fortzusetzen, andernfalls würde er aufhören zu spielen.
     
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  5. ReneSax

    ReneSax Ist fast schon zuhause hier

    Folgende Ausrede hatte mir gegenüber mal jemand versucht glaubhaft zu machen: "...Auch wenn wir alle miteinander reden, lassen Sie sich nicht irritieren denn wir hören Ihnen trotzdem zu." :confused:
     
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  6. b_nic

    b_nic Ist fast schon zuhause hier

    Wenn ich wo hin gehe und Eintritt bezahle, dann will ich die Darbietung auch hören. Oft gibt es auch unbekannte Künstler, die super gut spielen....
     
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  7. Juju

    Juju Ist fast schon zuhause hier

    Verstehe nicht, warum die da Durchschnittsangaben machen, der Medianwert wäre evtl aussagekräftiger?

    Ich bin schon der Meinung, dass es in vielerlei Hinsicht anders ist, zumindest im Vergleich zu den 80er Jahren. Ich kann jetzt im wesentlichen über Großbritannien sprechen, aber in D wird es ähnlich sein, denke ich mal. Was die Musikbranche angeht, ist der Untergang der Livemusik ein großes Problem. Damit fallen tourende Livebands immer mehr weg. Schaut man sich die Jazzgrößen der 50er und 60er Jahre an, die hatten ihre formativen Jahre auf Tour mit den großen Ensembles ihrer Zeit, wo sie teilweise als Teenager anfingen. Diese Erfahrung macht man an keiner Uni der Welt. Die Generation meines Mannes ist wahrscheinlich eine der letzten, wo diese Erfahrung noch möglich war, für ihn war es damals in den 80er Jahren das Orchester von John Dankworth and Cleo Laine. Die monatelang "On the Road"-Erfahrung gibt es so gut wie nicht mehr. Und dann Pop/Soul Bands wie Mezzoforte, Incognito etc, wo stets Bedarf an einer guten echten Hornsection bestand. Das wurde schön aufgestockt mit mehreren Studiosessions pro Woche, denn sei es Funk oder Fernsehen, den Soundtrack lieferten echte Bands, nicht ein Keyboardmensch mit Ein-Mann-Studio.
    Mit der Einführung einer Lizenzpflicht wurden diverse Live-Veranstaltungsorte aus dem Verkehr gezogen.
    Die BBC Big Band (war die einzige Rundfunkbigband im Lande) existiert nicht mehr als Vollzeiteinrichtung.
    Touring Support Schemes existieren, aber man muss im Prinzip einen Experten für viel Geld anheuern, der den Antrag so schreibt, dass er Aussicht auf Erfolg hat. Das Geld muss man erstmal haben. Gigs in der Provinz lohnen sich für Bands, die dafür reisen müssen, ansonsten gar nicht mehr. Ich frage mich, wie die das damals in den 80ern gemacht haben, soviel britische Bands tourten durch Deutschland und spielten in kleineren Jazzclubs - gab es da Förderung seitens der Kulturbehörden oder wie haben die das damals gestemmt? Aus Freude am Spielen kommt sicher kein britischer Musiker mal eben über den Kanal... Nach Brexit ist damit eh vollends Schluß, denn wenn für kleine Bands noch für jedes Land Visa beantragt werden müssen, wird es finanziell noch weniger darstellbar sein.
    Der knallharte Kapitalismus hier im Lande tut noch ein Übriges, man hat die junge Generation hier so richtig über den Tisch gezogen, dass sie eh den Rest ihres Lebens ihren Schuldenbergen nachlaufen müssen.
    Ich kenne einen unglaublich talentierten Nachwuchsmusiker, der letztes Jahr komplett das Handtuch geworfen hat und jetzt ganz was anderes macht. Es ist zu riskant, dass er unter eine vom Home Office festgelebte Einkommensgrenze rutscht und damit seine nicht EU-Ehefrau deportiert wird (das wird hier knallhart durchgezogen, da kennen die nix). Wir haben es da noch relativ gut, da Dave doch recht gut etabliert ist, aber sollte es mal schlecht laufen, droht mir auch die Deportation, denn was ich verdiene ist dann erstmal völlig unerheblich.
    Alles in allem eine sehr traurige Entwicklung.
    LG Juju
     
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  8. ehopper1

    ehopper1 Ist fast schon zuhause hier

    Wolfgang Dauner hat das auch mal gemacht.
    Er spielte mit Charlie Mariano im Duett bei einem Open Air im Garten eines nobleren Restaurants.
    Da saßen in der ersten Reihe die geladenen (Orts-)Promis auf Gartenstühlen.
    Sie kamen gerade vom Schampus-Trinken.
    Auf Bierbänken dahinter saßen wir Fans.
    Die Unruhe der Leute vorne nervte Wolfgang so sehr, dass er mitten im Stück abbrach und dann sehr deutlich wurde.
    Die Schampus-Trinker zogen empört von dannen und wir saßen ab da ganz vorne.
    Es war eines der besten Konzerte, dass ich je erleben durfte! :thumbsup:
    Auch Wolfgang und Charlie waren begeistert von uns.

    Lg
    Mike
     
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  9. Rick

    Rick Experte

    Hallo Juju!

    Ja, das stimmt natürlich, die Live-Bands verschwinden allmählich, finde ich ebenfalls sehr traurig.
    ABER das ist noch einmal ein ganz anderes Problem, und mit Rundfunk-Big-Bands oder Horn-Sections sowie Studio-Jobs im Pop-Bereich sprichst Du eigentlich bereits den "Dienstleistungs-Musiker" an, nicht mehr den "reinen Künstler" - letzterer würde eher Steine schleppen, als sich zu so einer Dienstleistung "herabzulassen". (Kenne ich aus meinen jüngeren Jahren, als ich begann, Tanzmusik zu machen, um damit meinen engagierten Modern Jazz zu finanzieren, da wurde ich tatsächlich deswegen von einigen Leuten schief angesehen, mir wurde vorgeworfen, "mich zu verkaufen".)

    In den künstlerischen Dienstleistungen muss man sich anpassen, seine Nische suchen oder umschulen - wie jeder Schuster, Sattler, Hufschmied und Drucksetzer in den letzten Jahrzehnten. Auch immer mehr altbekannte Industrie-Jobs fallen weg, man braucht auf Dauer mehr IT-Leute als Mechatroniker, das ist eine scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.


    Schöne Grüße,
    Rick
     
  10. KUS

    KUS Ist fast schon zuhause hier


    Deportation? Glaub' ich nicht. Ärzte werden doch gerade in GB dringend gebraucht.

    LG Kai
     
  11. Rick

    Rick Experte

    Das ist die normale Situation als "Dinner-Musiker". Ich mache ja mit meiner Frau zusammen ein Duo, und sie als klassisch ausgebildete Pianistin kommt mit solchen Situationen nur schwer klar (Gequatsche = mangelnde Wertschätzung). Das sind aber nun mal die Bedingungen als Dienstleister bei den Gigs, die sich finanziell rentieren - allein von Jazzclubs u. ä. könnten wir keine Rechnungen bezahlen...

    Das muss man sich allerdings leisten können. Normalsterbliche würden heutzutage nach einem derartigen "Fehlverhalten" als Musiker nicht mehr dort engagiert, ganz einfach.
     
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  12. Long John Silver

    Long John Silver Ist fast schon zuhause hier

    Auch auf die Gefahr hin, dass ich hier gleich einen Shitstorm abkriege:

    Wenn jemand bei einem eintrittsgeldpflichtigen Konzert etwas gegen schwätzende Besucher haben kann (meist sind das Leute, die ihr Ticket nicht selbst zahlen mussten - gerne auch mal aus dem Umfeld von Künstler und Veranstalter), dann sind das andere zahlende Besucher, nicht die Künstler.
    Der Darbietende wird in erster Linie dafür bezahlt (egal wie gut oder schlecht), dass er etwas darbietet - egal, ob einer schwätzt, tanzt, isst oder schnippt. Kraft seiner besseren Durchsetzungsfähigkeit (z.B. qua Mikrofon) kann im Sinne der gestörten Besucher freundlich um Rücksicht auf genau diese gebeten werden.

    Zickige Künstlerdiven, die genervt reagieren, wenn man ihre Kunst nicht würdigt, werden selten noch mal vom gleichen Veranstalter gebucht. (Ausser sie sind "Superstars" ihres Genres)

    Ich kenne studierte Musiker und Künstler, die sehr gerne einen Anzug anziehen, um bei einer Firmenfeier Hintergrundgedudel zu bieten. Und zwar auf sehr hohem Niveau, ob einer aktiv zuhört oder nicht.

    Das tollste Produkt im weitesten Sinne hilft nichts, wenn es niemanden gibt, der bereit ist dafür zu bezahlen. Das hat nicht mal im Sozialismus geklappt.

    Wenn wir als Gesellschaft nur noch in werbegesponserten 30 Sekunden-Clips aufmerksam sein können und sich die Kostenloskultur weiter manifestiert (zu der auch die Brosamen aus gestreamten Inhalten zu rechnen sind, die beim Urheber ankommen), dürfen wir uns nicht wundern.
    Kultur war schon immer von Massentauglichkeit oder Mäzenatentum inklusive öffentlicher Förderung abhängig - mehr oder weniger.

    Muss man wollen.

    LJS
     
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  13. Long John Silver

    Long John Silver Ist fast schon zuhause hier

    Da war er schneller, der @Rick
     
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  14. abraxasbabu

    abraxasbabu Ist fast schon zuhause hier

    Musaik ist eine schöne Sache aber nicht lebensnotwendig. Ich mache gerade eine Ausbildung zum Altagsbegleider für demente Menschen. Mit dem Verdienst den ich da erwarten kann würde ich zum Harz 4 Aufstocker. Bisher habe ich als Altenpfleger gearbeitet. 1500 Netto im Monat. Auch nicht üppig in Frankfurt. Wenn berufe die Lebensnotwendig sind so entlohnt werden, wozu Musikern mehr geben? Das ist eben so in der freien Martktwirtschaft (Ich sage ja Kapitalismus dazu) Wir haben alle 4 Jahre die Gelegenheit etwas zu Ändern.
     
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  15. ppue

    ppue Experte

    Die Funktion von Live-Musik ist halt verschieden. Ich spiele meist in Theatern oder in bestuhlten Sälen. Da ist dann eher Kunst angesagt und die Leute sind eh still.
    Mit der Bluesband sieht die Sache natürlich ganz anders. Da wird im Club schon mal lauthals an der Theke diskutiert. Oft schwierig zu bespielen sind Räumlichkeiten, wo nicht alle Zuschauer Sicht auf die Bühne haben, weil der Raum verwinkelt oder zweigeteilt ist. Eine witzige Erfahrung dabei:

    Wir spielen immer verstärkt, haben aber ein Stück, wo ich mit der Shrutibox leise Akkorde spiele und akustisch mit meinem Kollegen dazu singe, kurze Phrasen und gaanz lange Pausen Der Effekt: Alle fangen an zu horchen und werden mucksmäuschenstill.

    Den Effekt kenne ich auch von anderen Bühnenprogrammen: leiser bis ganz leise spielen schafft am meisten Aufmerksamkeit.

    Das Interesse sollte man auf die Bühne ziehen und nicht herunter drücken.

    @abraxasbabu: Was muss ich da aus deinem Munde hören? Wir können jeden Tag etwas ändern!
     
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  16. grosskopf

    grosskopf Ist fast schon zuhause hier

    Ich stimme prinzipiell Rick zu. Was mir jedoch in meine halbjungen ;-) Karriere bisher aufgefallen ist: Viele schielen sehr auf den Plan B "Wo verdiene ich das meiste Geld", versuchen erst gar nicht wenigstens für ein paar Jährchen mal ihr Ding durchzuziehen. Dennoch kenne ich auch einige Kollegen, die ihren Weg konsequent gehen und verfolgen und damit auch Erfolg haben. Dieser Erfolg ist nicht immer nur wirtschaftlich begründet. Jobs ergeben sich immer irgendwo. Klar darf man sich nicht in sein küsntlerisches Schneckenhaus verkriechen und auf DEN Anruf warten.
    Bei mir war es schon immer so, dass ich musikalisch mein Ding machen wollte. Das mache ich nun seit etwas mehr als 20 Jahren. Daneben habe ich immer unterrichtet. Top40-Jobs waren nie mein Ding, habe ich nie gemacht. Und da es nie mein Ding war, kamen da auch keine Angebote. Eher ging's dann mit dem Unterrichten so richtig los, sodass es zeitweise schon fast zu viel war.

    Zu Anfang meiner Profilaufbahn hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich mal Lehrbücher verfasse. Aber durch die Unterrichtsjobs kam die Erfahrung, die Methode usw, usf. und ein Kollege brachte mich seinerzeit auf die Idee, das alles in Buchform unter's Sax-Volk zu bringen.

    Ich nehm die Jobs und Gelegenheiten wie sie kommen. In diesem Jahr war ich hauptsächlich mit Unterrichten und Buch verfassen beschäftigt, habe eine EP-Produktion nun fast fertig. Also 2017 wenig gespielt, aber geübt! 2018 stehen jetzt wieder mehr Konzerte an und Anderes ist noch in der Pipeline. Den Rest lasse ich auf mich zukommen.

    Man muss halt offen sein und bleiben für Vieles!

    Dass die Wertschätzung fehlt, dagegen können wir nur ankämpfen oder besser anspielen!
     
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  17. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    @Juju und @Rick

    Gibt es nicht auch eine Gegenbewegung wieder mehr hin zu Liveauftritten, da die Verdienste über verkaufte Alben deutlich eingebrochen sind, und die Streamingdienste das bei weitem nicht Auffangen? (Irgendwo hatte ich dazu mal
    einen Bericht gelesen)

    Gut, möglicherweise trifft das aktuell nur auf die internationalen Topstars zu, aber vielleicht erreicht diese
    "Gegenbewegung" auch mittelfristig eine breitere Gruppe von Musikern.

    CzG

    Dreas
     
  18. Juju

    Juju Ist fast schon zuhause hier

    Hallo Rick,
    Was ist schon ein "reiner Künstler"? Ich sehe die Übergänge da eher fließend, und wichtig bezogen auf bestimmte Karriereabschnitte, war das nun Dienstleistung, als Dexter Gordon in Lionel Hampton's Band anfing? Solche Jobs waren total wichtig für die Entwicklung der späteren Künstlerpersönlichkeit. Keiner der Superstars ist wie Phönix aus der Asche gestiegen, die brauchten alle Zeit, um sich zu entwickeln. Die Jugendjazzorchester leisten da schon Beachtenswertes, aber es ist eben kein bezahlter Job.
    War John Coltrane als Sideman in Miles' Band Dienstleiter und erst Künstler, nachdem er seine eigene Band gründete? Michael Brecker hat bestimmt mehr Pop-Studiosessions als die meisten anderen Spieler seiner Generation - Dienstleistung-Musiker oder Künstler? Ist die WDR Big Band Dienstleister und somit ihre Mitglieder nicht mehr als Künstler zu bewerten? Von daher finde ich es teilweise schwierig, da Grenzen zu ziehen. Und Solokarriere hin oder her, wenn Du z.B. der gefragteste Sessiondrummer Deiner Generation bist, bist Du dann wertlos als Künstler oder ist das nicht gleichermaßen eine grandiose künstlerische Leistung?

    LG Juju
     
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  19. Paco_de_Lucia

    Paco_de_Lucia Ist fast schon zuhause hier

    → Das ist das eigentliche Dilemma!
    Es wird immer nur in erster Linie um die Kohle gejammert, das war schon zu Leonardos Zeiten so, dass man Mäzene braucht → Danke, @Long John Silver , und daran wird sich auch nix ändern.
    Das ist aber vorderhand das Problem für die Musiker.
    Nämlich, dass es fast nix mehr zu spielen gibt, und die Dinnermucke, die auch ich mache, die macht keinen Musiker aus Dir.
    Viele fragen sich immer, wie die Cats das geschafft haben, so einen Flow, so eine unglaubliche Routiniertheit, na klar, jeden Morgen Probe, dann Gig, abends noch Session, und das jahrelang. Davon kommt Entwicklung...nicht vom Play-a-Long.

    Viel schlimmer ist aber der damit einhand gehender Verfall der kulturellen Bildung.
    [Keine Musiker - keinen Musik - keine Kultur - keine Bildung]
    Den obigen Artikel haben sicher alle hier mehr oder minder gelesen - viel interessanter waren die Kommentare.
    Ich zitiere mal: "Kunst sollte sich zum Teil auch daran orientieren was am Markt verkäuflich ist. Wer das nicht kann, sollte seinen künstlerischen Neigungen als Hobby nachgehen. Die Steuerzahler sind nicht dafür da, prekäre Existenzmodelle zu fördern. Der Staat sollte auch mit der Förderung von Kunst sparsamer sein." Zitat Ende.

    Diese Einstellung ist der Grundtenor in der Bevölkerung, was ich so wahrnehme, die Typen, für die ich die 'Fresspartys' spiele,
    die gucken Dich doch nicht mal mit dem A**** an, weil Du nur ein Kostenfaktor bist,
    die können doch auch Dur von Moll nicht unterscheiden, aber 'Küss die Hand, Frau Apotheker'.
    Das ist mir ja noch Wurscht, aber die stellen die Meinung dar. Und die vertreiben 'Kunst'.
    Die sind sogar die Sponsoren der bildenden Künstler.
    Und die Leute, die da am Buffet hängen, denen ist das so was von Wurscht, was da gerade passiert.
    Und das schockiert mich. Eine Langweile, ein Desinteresse. Und diese Information wird immer mehr weitergeben.
    Zitat meine Frau aus einem Elterngespräch: 'Nein, Frau Dr. Ihr Kind ist nicht hochbegabt, es ist ganz normal, auch wenn es ihnen so vorkommt.'
    Wie soll ich da mit 'Kunst' - Geld hin oder her, noch was bewegen...
    Was @Juju anspricht, die Jungs haben zum Ball gespielt, zum Fest, zum Feiern oder zum Konzert...
    das ist heute alles so langweilig...das ist in der Klassik nicht anders. Da hocken die selben Leute in der Loge, weil sie ein Ticket gratis irgendwo ergattert haben als 'business-event'.
    Für mich stellt sich das ganze als Teufelskreislauf dar, der mit dem Verlust der Kulturellen Bildung beginnt, übers Geld geregelt und damit wieder zu noch mehr Verlust an Kultureller Bildung führt.

    Aber, wie richtig genannt: es gibt den 30sekunden Werbeclip, der Dir sagt, wo's langgeht, was angesagt ist und was morgen passieren wird.
    Und wem das nicht reicht, der kann den Milliardäre beim Spielen auf dem grünen Rasen beim Spielen zu schaun,
    ich weiß, 'dünnes Eis'. Dann brech ich halt ein ;-)
    cheers
    Paco
     
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  20. Rick

    Rick Experte

    Dafür muss dann aber auch ein Markt vorhanden sein... Siehe der Beitrag von @Long John Silver.

    Meine kommenden Auftritte: Weihnachtsjazz mit Band im Club (auf "die Tür"), Kirchen-Jazzkonzert als Quartett mit Kostproben aus je einer Weihnachtslieder- und einer Gesangbuchlieder-Produktion (Festgage), "Skihütten-Frühstück" mit Sax-Impro zu Spotify-Aufnahmen (Festgage), Dinner-Jazz als Duo in Szene-Bar an Silvester (2 Stunden, anschließend übernimmt der DJ) (Festgage).
    Bei der Silvester-Veranstaltung bekomme ich am meisten, und zwar so viel wie früher für einen ganzen Abend mit Band, am wenigsten pro Kopf wird es im Jazzclub über den Eintritt geben - das wird aber der mit Abstand lustigste Gig werden.
    Ich fürchte, dass so etwas wie der "Skihütten"-Gig, wo man einfach nur zu irgendwelchen Tracks improvisiert, die die Veranstalterin vorher ausgesucht hat, die mittelfristige Zukunft sein wird - mit so etwas finanziert man dann eben seine Jazzclub-Auftritte, wo man mehr oder weniger machen kann, was man will.

    Alles hat seine Vor- und Nachteile: Ich muss heute kürzer spielen und weniger Verstärker schleppen als früher mit den Bands, verdiene aber ähnlich. Nur sind die Gigs seltener...

    Schöne Grüße aus der Nische,
    Rick
     
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