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Featured Wie funktioniert Musik?

Dieses Thema im Forum "Improvisation - Harmonielehre" wurde erstellt von ppue, 5.Januar.2018.

  1. Claus

    Claus Moderator

    Das führt zu der Frage, ob Du jetzt erklärt hast, wie Musik funktioniert oder wie wir funktionieren...
     
  2. ppue

    ppue Experte

    Womöglich hängt beides irgend wie zusammen (-:
     
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  3. bluefrog

    bluefrog Ist fast schon zuhause hier

    Ja, die abendländische Harmonik baut darauf auf. Alles andere sind Erweiterungen und Varianten dieser "Grundharmonik". Insoweit können wir dann auch erklären wie Musik funktioniert. Oder? .......... Ich denke, das ist nur ein Teilaspekt von Musik, und zwar ein sehr abendländischer. Melodik und Rhythmik sind die anderen Aspekte. Interessanterweise spielte die Rhythmik eine immer geringere Rolle je weiter die Harmonik entwickelt wurde, vor allem seit der Romantik, wo sie am Ende eigentlich ganz verschwand.

    Gibt es eine Musikkultur, die einen solchen Wert auf die Harmonik legt wie die unsere? (Wobei das bei uns ja auch erst seit der Renaissance begann.)

    Charles Ives kommt also ins Spiel.:) Wenn ich das richtig verstanden habe, versucht er eine Vierteltonharmonik zu entwickeln, aber:

    "Ives’s quarter-tone harmonic writing typically features a separation of register, such that the notes from one piano (normally the secondo) are kept below middle C while the notes from the other are kept above; rarely are the notes from the twopianos allowed to overlapor ‘mix’ in close registral proximity." (http://www.tierceron.com/diss/ives/ives.pdf. S. 119f.)

    Das sieht dann so aus, dass Vierteltonabstände immer sehr weit voneinander entfernt sind, so wie wir die große Septime beim Maj7-Akkord nicht unmittelbar neben den Grundton legen. Ob er da der Vierteltonharmonik doch etwas misstraut? (Ich hadere ja auch immer etwas mit dem Maj7, ein Akkord, der einen Leitton zum eigenen Grundton enthält.)

    Worauf ich raus will: Nur unser Tonsystem scheint sehr gut geeignet zu sein, um eine komplexere Harmonik zu entwickeln. Andere Systeme, die Vierteltöne verwenden, sind eher melodisch und rhythmisch orientiert.

    LG Helmut
     
  4. Werner

    Werner Ist fast schon zuhause hier

    Interessante Sicht. -
    "Wir nutzen die Durtonleiter, weil sie uns immer auf den "rechten Weg" zurückbringt und die Oktave in zwei gleiche Tetrachorde (Vierton-Reihen mit dem Rahmenintervall einer Quarte) teilt. Die Folgen C--D--E-F und G--A--H-C vermitteln uns die Ordnung, die wir so lieben und die uns so in Sicherheit wiegt."
    Der dorische Modus teilt die Oktave auch in 2 gleiche Tetrachorde (D EF G und A HC D), die Leitöne wirken zugegebener Massen aber nicht so folgerichtig wie bei den Dur-Tetrachorden. Möchte ich nur anmerken.



    http://swing-jazz-berlin.de/
     
  5. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Wie funktioniert Musik?

    Mal extrem....

    Ich höre "Brötzmann"....für mich krach, keine Musik...

    Ich höre den "Sound" eines Sportwagens...für mich Musik...

    Witzig, beides klingt ja auch irgendwo ähnlich...

    Also, wie funktioniert Musik?

    CzG

    Dreas
     
  6. hiroaki

    hiroaki Ist fast schon zuhause hier

    Würdest Du Dir von dem Sound auch eine CD einlegen und gemütlich im Wohnzimmer hören?
    Die Redewendung "Das ist Musik in meinen Ohren" ist doch nur übertragend gemeint.
     
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  7. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Ehrlich? Hab' ich schon gemacht...natürlich keine 30 Minuten, oder so...

    CzG

    Dreas
     
  8. Saxfreundin

    Saxfreundin Ist fast schon zuhause hier

    Und ausgerechnet heut Abend stolpere ich über:

    "Viel interessanter als ein Haufen Gleichgesinnter ist doch eine Gemeinschaft von Ungleichgesinnten."

    [Quelle: http://www.oya-online.de/home/index.html]

    Eine gute Erklärung, warum wir das Forum hier so spannend finden ;)


    Und das auch:
    :)
     
    Dreas gefällt das.
  9. ppue

    ppue Experte

    Das mache ich oft, lasse die Umweltgeräusche zu und höre es als eine Soundcollage. Besser und viel interessanter, den Presslufthammer vor dem Haus in die gerade laufende Audiodatei zu integrieren, als sich über den Lärm zu ärgern.

    Ich hatte mal Arbeiter im Haus, die mit Hiltis über Stunden einen Megalärm machen mussten. Habe ich direkt aufgenommen und in diversen Modifikationen zu einem Song verarbeitet, den ich den Arbeitern am Abend auf CD gebrannt schenkte. Ich denke, sie haben die Hiltis, die den Song spielten, letztendlich nie erkannt. Leider ist die Collage samt ihres Speichermediums umgekommen.

    Alles ist Musik, wenn du es dazu erhebst.
     
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  10. Pil

    Pil Ist fast schon zuhause hier

    :bookworm: Wir könnten demnach auch Ringelnatzgedichte der Flatologie vertonen?
     
  11. visir

    visir Ist fast schon zuhause hier

    Das eine schließt das andere ja nicht aus. Freilich gibt es immer auch noch was anderes. Es gibt sogar Völker, die keinen Zahlenbegriff haben.

    siehst Du...

    Das war ja auch die Masche von Art of Noise.

    Tatsächlich hast Du den Hilti-Lärm aber nicht zur Musik erhoben, sondern zu Musik umgearbeitet.
     
  12. henblower

    henblower Ist fast schon zuhause hier

    Kollege @ppue hat an nichts Böses gedacht, als er uns die Frage "Wie funktioniert Musik?" stellte. Mein Beitrag orientierte sich an der Funktionsharmonik, die Frage selbst spricht aber natürlich nicht nur die Harmonielehre, sondern auch Musikpsychologie, Musiksoziologie, Physiologie (wie funktioniert das Hören?) und andere Hilfswissenschaften an.
    Deshalb wäre es ratsam, den mehrfädrigen Kaschmirzwirn aufzudröseln und mit einzelnen Unterfäden weiter zu stricken. Der Bogen von der zum Musikinstrument umfunktionierten Hilti bis zum Aufbau von Skalen und Akkorden spannt sich doch etwas weit....
     
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  13. ppue

    ppue Experte

    Das glaube ich so noch nicht. Unsere diatonische Musik hat ein paar Jahrhunderte gebraucht, bis die Major7 und noch ganz andere alterierte Töne direkt nebeneinander lagen.

    Es hat noch kaum einer begonnen, die Welt der Vierteltonmusik auszuloten. Meines Erachtens hat sie es unglaublich schwer, nicht nur wegen der wenigen Instrumente, auf denen sie gespielt werden kann. Der Grund liegt darin, dass mit der Ausreizung der Chromatik die Musik sehr abstrakt wurde. Zum Beispiel in der Zwölftonmusik. Wie in der bildenden Kunst wird nicht mehr motivisch, abbildend gearbeitet, sondern frei assoziiert.
    Geht man mit solch abstrakter Vorstellung an die Vierteltonmusik, dann hat man, nun müsste ich das ausrechnen, schätzungsweise ein Hundertfaches an akkordischen und melodischen Kombinationsmöglichkeiten.
    Ives hat das hervorragend gelöst, indem er die Vierteltöne geschickt mit der herkömmlichen Harmonik mischt, unsere Hörgewohnheiten berücksichtigend, zart und feinfühlig Bestehendes mit dem Unerhörtem mischt.

    Dazu gebe ich zu bedenken, dass die Theorie immer den Kompositionen folgt. So ist Funktionsharmonik kein Regelwerk, sondern die Analyse dessen, was komponiert und musiziert wurde.
     
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  14. ppue

    ppue Experte

    Ich habe mich früher immer gefragt, welche musikalischen Wurzeln ich habe, speziell in NRW. Ich dachte, da gäbe es gar keine. Erst später bin ich drauf gekommen, dass die Leute hier am liebsten singen. Wenn man denn das heimische Chorrepertoir anschaut, findet man kaum auffallend rhythmische Lieder. Ich denke, wir sind das absolut unrhythmischste Land der Welt. Ich zumindest kenne keines, welches noch weniger Interesse an Rhythmus zeigt.

    Die Antwort ist also nein, auch wenn ich das weniger positiv sehe (-;
     
    Roman_Albert gefällt das.
  15. ppue

    ppue Experte

    Lieber @henblower, ich denke immer noch nichts Böses (-; Ich mag es eigentlich sehr, dass das Thema mal hier und mal da hin mäandert. Würde man es in alter analytischer Manier in einzelne Fäden zerlegen, dann wäre am Ende keiner mehr da, der die Themen wieder zusammen webte.
     
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  16. quax

    quax Ist fast schon zuhause hier

    Irgendwie führt dieser fred auch zur Frage, ob das Musik ist? Und wenn ja, warum nicht?
     

    Anhänge:

  17. ppue

    ppue Experte

    Die meisten nennen es Vogelzwitschern. Hat sich so ergeben. Für mich ist das Musik. Wie auch Sprache für mich Musik sein kann.

    James Joice Werke sind hochmusikalisch:



    Neulich kam ich an eine Sprachdatei einer Chinesin. Dachte ich: Die singt doch und versuchte, der Sprecherin Töne zuzuordnen:



    Dachte ich, dass kann man doch auch harmonisieren:



    Ich muss das ja gar nicht benennen. Ich mag solche Kollagen und höre auch viele Alltagsgeräusche mit musikalischem Ohre.
     
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  18. visir

    visir Ist fast schon zuhause hier

    Dass es keine Musik ist, sollte eigentlich klar sein - die Amsel macht das nicht als Zeitvertreib oder zum Erwerb vor Publikum, sondern verteidigt ihr Revier - allgemeiner: normale Kommunikation, wie unsere Sprache. Dass man sich davon zu Musik inspirieren lassen kann, ist natürlich auch drin.
     
  19. visir

    visir Ist fast schon zuhause hier

    Jedenfalls in diesem Vortrag. Wobei das nur eine Möglichkeit ist, wie man das bringen kann. Andere mögen auch "Melodie" haben oder auch nicht.

    Erinnert mich an eine Stelle aus Waggerls Kindheitserzählungen, wo er einem alten, gebildeten Mann Kant vorgelesen hat - halt so, wie er es verstanden hat, und der alte Mann sich prächtig amüsiert hat: "Ja, so kann man das auch lesen!"

    liegt in dem Fall vielleicht daran, dass Chinesisch eine tonale Sprache ist -?

    Musst aber einmal beim britischen Parlament zuhören... und es gibt noch viele andere "melodiöse" Beispiele...
    Wer weiß, kommt Musik vielleicht aus der "Satzmelodie"? Oder haben einfach beide denselben Ursprung - Proportionen?

    Das erinnert mich stark an Jean-Michel Jarres Album "Zoolook", speziell an das Stück "Diva" (mit Laurie Anderson) darauf...


    Und zugleich auf ganz anderer Ebene auch an:


    und was daraus gemacht wurde:
     
  20. ppue

    ppue Experte

    James Joice spricht wenig Melodie. Da haben meine Bergischen Kaffeetanten aber mehr drauf. Bis zur Oktave geht das, wenn sie gut drauf sind. Bei Joice ist es eher der Text, die Dichtung selbst. Achte mal auf Satzkonstruktion Sprachspiele, Stabreime etc.

    Ja, ich denke, dass die Melodie im Chinesischen zum Ausdruck gehört.

    Die Klavierkatzen sind toll.