Wieviel Cent Abweichung auf dem Stimmgerät sind hinnehmbar

Dieses Thema im Forum "Saxophon spielen" wurde erstellt von JTM, 15.Dezember.2024.

  1. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Nur, wie hast du denn dein Instrument gestimmt?
    Die Methode, die du negierst, war ja nicht der Bleistiftstrich oder immer die gleiche Position des Mundstücks, sondern das Finden eben der besten Position des Mundstücks mittels Stimmgerät.
    Mir nutzt der bleistiftstrich bspw rein gar nichts, auch bei konstanter Temperatur, da ich gerne Mundstücke wechsle.
     
  2. Analysis Paralysis

    Analysis Paralysis Ist fast schon zuhause hier

    Ich bin davon weggekommen, Schülern damit helfen zu wollen.
    Das funktioniert, wenn der Ansatz an und Pfirsich schon passt.
    Wenn nicht, sind die beiden Töne oft komplett auseinander - wenn am z.B. am Alt der Ton überhaupt rauskommt. Oft kommt nämlich nicht die Oktave, sondern die Quint.

    Mit Schülern in der Kälte zu stimmen ist Hölle. Ich kann dann halt weiter reingehen, wenn es kalt ist, und die Töne, die nach oben driften, nach unten korrigieren.
    Das geht bei vielen Tönen bis zu einer kleinen Terz (nein, so viel braucht man nie, nicht mal entfernt).
    Wenn der Ansatz nicht flexibel genug ist, driften die Jazzchords dann doch etwas auseinander. Ich lasse da lieber die Trompeten ihre Volkslieder spielen, das ist stimmiger.
     
  3. Gelöschtes Mitglied 1142

    Gelöschtes Mitglied 1142 Guest

    Am heißesten Tag des Jahres im Juli 2015 (40,3 Grad) spielten wir nach einem Workshop ein Open Air Konzert auf dem Marktplatz in Bad Kitzingen. Da war Stimmen eine echte Herausforderung! So weit kannst Du das Mundstück bei so einer extremen Temperatur gar nicht herausziehen , dass das Instrument in sich stimmt.
    @Tobias Haecker kann sich sicher noch an den Tag erinnern. Er spielte m.W. Basssax.
     
    Tobias Haecker gefällt das.
  4. JTM

    JTM Ist fast schon zuhause hier

    Stimmgerät gab es schon sehr lange,halt nicht elektrisch wie heute. Aber auch früher wurden Pianos und Gitarren mit Stimmgabeln gestimmt,und danach dann die Bläser.
    Und da waren (wie auch heute) die Ohren das wichtigste Stimmteil,man hat nach Schwingungen gestimmt
     
  5. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Konstruierst du da nicht Ausnahmen?
    Ich finde wir sollten da differenzieren zwischen "grundsätzlichem Vorgehen" und "Voraussetzungen /Schwächen".
    Bspw:
    Grundsätzlich ist eine gute Methode auf langes C zu stimmen, so dass die Abweichung mit und ohne OK gleich sind. Kontrolle dann mit dem kurzen, oktavierten C"
    Aber dafür braucht man einen stabilen Ansatz und eine konstante Betriebstemperatur des Instruments.
    Wenn man diesen/diese nicht hat, dann ist xyz besser"
     
  6. giuseppe

    giuseppe Strebt nach Höherem

    Ich stimme auch lange und kurze Oktaven gegeneinander. Aber: Neben dem Pitchcenter kommt hier noch das unterschiedliche Verhalten unterschiedlicher Mundstückkammern komplizierend ins Spiel. Mit dem richtigen Mundstück und dem richtigen Pitchcenter ist das Horn vielleicht komplett stimmig - was aber, wenn das Lieblingsmundstück ein komplett anderes ist?

    Deshalb finde ich es zwar wichtig, die langen und kurzen Töne gegeneinander zu testen, aber Kompromisse können dann trotzdem notwendig sein.

    Ich habe deswegen schon mal so einen Pitch-Center-Thread gestartet, als es mich wahnsinnig machte, dass die Obertöne beim „Tone Matching“ ein bisschen höher sind, als die korrespondierenden Standardgriffe.
    Das ist mit der Zeit deutlich weniger geworden dank Übung und vielleicht auch passenderen Materials.

    Dafür habe ich jetzt festgestellt, dass sich die Obertöne z.B. von C und D (auf verschiedenen Tenören) ganz anders verhalten. Beim ersten geht’s noch, spätestens beim dritten driften die Obertöne vom C und D in verschiedene Richtungen. Wenn ich einen als Stimmreferenz nehme, will der andere vielleicht nicht passen.

    Ich denke schon, dass es wichtig ist, sein Horn auszuchecken und die Zusammenhänge der Intonation zwischen langen und kurzen Tönen sowie der Obertöne und Palmkeys zu erfassen. Aber man sollte keine schlaflosen Nächte haben, wenn man nicht alle „optimalen Kriterien für die richtige Stimmung“ perfekt gleichzeitig hinbekommt. Dann lieber eine Runde Drones mehr.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17.Dezember.2024
  7. Tobias Haecker

    Tobias Haecker Kann einfach nicht wegbleiben

    Oh, ja, das war spaßig, aber war das nicht das Kontrabass Sax, dass Thomas dabei hatte?

    Aber wen juckt Intonation bei Open Air? Bei meiner Wehrdienstzeit habe ich mal den Satz "Optik vor Akustik gelernt"

    Nee, zum Thema: Intonation ist tricky und geht streng genommen sogar auch über das hinaus, was auf dem Stimmgerät steht. (Wer wirklich gut seine Terzen Intonieren möchte, der muss auch mal neben dem Stimmgerät liegen).
    Vor ewig hab ich mal diesen Artikel über Intonation geschrieben, das meiste davon (nicht alles) würde ich heute noch so sagen:
    http://saxophonistisches.de/sch-warum-intoniert-es-nicht/
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 18.Dezember.2024
    Sax Ralf und Livia gefällt das.
  8. Gelöschtes Mitglied 1142

    Gelöschtes Mitglied 1142 Guest

    Den Anhang 86416 betrachten
    Stimmt. Es war dieses hier, welches ich indoor ausprobieren durfte:
    74b69f92-8504-4be7-80c8-b27a5a3cebef.jpeg
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 17.Dezember.2024
    Tobias Haecker gefällt das.
  9. Iwivera*

    Iwivera* Ist fast schon zuhause hier

    Der Link führt mich zum Kunststoffblättertest...
     
  10. JES

    JES Gehört zum Inventar

    "Ein Stimmgerät ist ein elektronisches Gerät zum Stimmen eines Musikinstruments.

    Es erkennt direkt über Körperschall, über ein eingebautes Mikrofon oder über einen durch Klinkenstecker angeschlossenen Tonabnehmer (z. B. einer E-Gitarre oder eines E-Basses) den Ton, der auf dem Instrument gespielt wird, und zeigt durch Lampen oder auf einer Skala an, ob dieser Ton im Vergleich zum meist einstellbaren Kammerton zu tief, zu hoch oder (im Rahmen der Messgenauigkeit) richtig ist.....

    Das erste Gerät, ein Korg WT-10 aus dem Jahr 1975, "

    https://de.wikipedia.org/wiki/Stimmgerät

    Damit sind Stimmgeräte per Definition elektronisch.
    Eine stimmgabel demnach kein stimmgerät, vielleicht eine stimmhilfe....
     
  11. giuseppe

    giuseppe Strebt nach Höherem

    Einen Nachtrag muss ich zu meinem Post #86 noch loswerden:

    Auch wenn die perfekt in sich stimmende Sax-Mundstück-Spieler-Kombi nicht immer realisierbar ist, ist es schon wert, dem Optimum hier so nahe wie möglich zu kommen.

    Benedikt Eppelsheim hat mir in seinem Interview mit dem Forum vor vielen Jahren (https://www.saxophonforum.de/library-articles/interview-mit-benedikt-eppelsheim.28/?page=1) quasi ein Rätsel aufgegeben, was sich erst mal setzen musste:

    Intonation = Resonanz = Sound = Ansprache

    Viele Jahre später beginne ich die Bedeutung dieses Zusammenhangs langsam zu verstehen, z.B. warum das tiefe D auf dem Tenor so schön mehlig sein kann, oder auch dass eine passende Mundstückkammer unter Umständen viel mächtiger ist als der höchste Baffle, wenn die Resonanzen erst mal singen, etc.

    Ich möchte das Thema aber nicht sprengen - wenn diskussionswürdig gerne auslagern…
     
    Zuletzt bearbeitet: 17.Dezember.2024
    ppue und Gelöschtes Mitglied 1142 gefällt das.
  12. JES

    JES Gehört zum Inventar

    @giuseppe

    Die ersten beiden gleichheizzeichen akzeptiere ich sofort. Das letzte nicht bzw nur sehr, sehr bedingt.
     
  13. Wuffy

    Wuffy Gehört zum Inventar

    Mein altes Kork-Analog (denke Anfang der 80er-Jahre)...immer noch im Gebrauch und funktioniert, wie am ersten Tag

    P1080191.JPG
     
    Zuletzt bearbeitet: 17.Dezember.2024
  14. Silver

    Silver Strebt nach Höherem

    Die Methode der Alten, die gar kein Stimmgerät hatten (danke @JES für die Präzisierung - wir hätten sonst nie gewusst, dass die musikalische Neuzeit erst 1975 anbrach) war alles andere als schlecht.

    Der Weg über das per Stimmgabel gestimmte Klavier (oder die Orgel oder die Oboe) hat dazu geführt, dass Menschen ihre Ohren eingeschaltet haben.
    Die Schwebungen, die bei ungleichem Stimmton entstehen, muss man erst mal erkennen und daraus die richtige Richtung ableiten.

    Tägliches Stimmen nach Gehör kann die Fähigkeit fördern, auch andere musikalische Sachverhalte zu hören.

    Der Blick auf den Zeiger oder die LED schult nur das Auge…
    Ich schau aber trotzdem hin und wieder mal drauf, vor allem, wenn der blöde Oboist mal wieder zickig ist. :D
     
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  15. Tobias Haecker

    Tobias Haecker Kann einfach nicht wegbleiben

  16. JES

    JES Gehört zum Inventar

    @Silver

    Ich wollte eigentlich nur wissen, ab wann es solche Geräte gibt. Hatte da ein deutlich früheres Datum erwartet. Aber wenn ich schon suche, brauchen andere... also bitte nicht in den falschen Hals...

    Sonst volle Zustimmung.
    Bei mir ist so was, etwas moderner als von @Wuffy, auch eher nur zur Grundstimmung im Gebrauch. Ich habe mich da am Anfang auf dem Sax auch verrückt gemacht und dauernd auf das Ding gestarrt. Gerade diese bunten LED verführen da, die sieht man aus den augenwinkeln ;)
    Mit der Zeit kam die Erkenntnis, dass mich diese Starrerei von der Musik ablenkt. Also flog das Ding in eine Schublade und ich habe mehr mit Stimmtönen von CD gearbeitet. Das war nicht so gut, weil meist das A benutzt wird, das für mich nicht so gut funktioniert. G bzw A (gegriffen, nicht klingend) sind die Töne, die auf meinen Kannen immer die geringste Abweichung haben, klingend ist das nicht viel anders. Damit bekomme ich aber eher kein optimum über das ganze Instrument.
    Da kam @ppue(? Ursprünglich glaube ich hwp) mit seiner Methode, langes C (B) mit und ohne OK, zusätzlich gabelgriff C, da brauchte ich kein stimmgerät mehr. Damit mittle ich iwi alle abweichungen auf ein minimum. Damit ist vielleicht das ganze Instrument etwas zu hoch oder zu tief, das kann ich mit Ansatz korrigieren, aber die rel Abweichungen sind am kleinsten und vorhersehbarer. Bei mir!
    Heute nutze ich das Stimmgerät nur für meine Gitarre. Auch da, das Feintuning immer nach Ohr mittels Akkorden bzw Intervallen.
    Wenn ich heute mal spaßeshalber das Stimmgerät mitlaufen lasse (meine handyapp kann das sogar aufzeichnen) liege ich bei unter 5ct, meißt um 2ct, wenn ich alleine Musik spiele. Genauer höre ich nicht mehr. Drones ist ne andere Story....
     
  17. Gelöschtes Mitglied 1142

    Gelöschtes Mitglied 1142 Guest

    Chapeau! Bei mir ist es meistens mehr. Das können schon mal bis 10 Cent werden.
     
  18. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Stört es im Zusammenhang? Wenn nicht, egal. Wenn ja hörst du es und kannst was dran ändern.
    Vielleicht sollte mal einer so einen tuner in ein Mundstück integrieren. Dann kann die Abweichung gleich durch einen Mechanismus im mpc ausgeglichen werden... und alles passt perfekt. Wie der Tempomat am Auto.... ;)
     
  19. Till098

    Till098 Kann einfach nicht wegbleiben

    Das hatte ich mir auch schonmal überlegt, wird aber bei dem was SaxophonistInnen so machen wollen ziemlich tricky, sonst bügelt der jedes Vibrato raus. Das kann höchstens recht träge funktionieren, ist in der Abstimmung eher schwierig.
     
  20. JES

    JES Gehört zum Inventar

    War nur mal laut gedacht.... Man könnte ja noch mit Druck und Lippensensoren erweitern, dann wird erkannt, was der Saxophonist beabsichtigt (ich will jetzt 50ct zu tief :). )
     
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