Besonderheiten beim Sopran-Saxophon?

Dieses Thema im Forum "Soprano Special" wurde erstellt von Wanze, 20.Februar.2011.

  1. Wanze

    Wanze Strebt nach Höherem

    Hallo miteinander,

    könnte auch unter Kaufberatung stehen, aber jetzt sind die Sopran-Spezialisten gefragt:

    Was ist beim Sopran Saxophon zu beachten?

    - Ist ein Sopransaxophon leiser als ein Tenor? Kann ich damit nachts noch üben, oder wirkt es durch die Tonhöhe sogar durchdringender?

    - Gebogen oder gerade? Was spricht für ein gebogenes, was für ein gerades? Ausser, dass das gebogene vielleicht eher nach "Zirkusinstrument" aussieht :) Soll keine Beleidigung der Sopranspieler sein, ich zitiere hier einen gewissen Rick von Bracken ;-) von der Expression Homepage :
    Und wie sieht es mit der Intonation bei gebogenen aus?
    Also, vielleicht eher ein gerades? Oder was sagt Ihr zu halbgebogenen?

    - Dann habe ich gelesen, dass es Sopran-Saxophone einteilig oder zweiteilig gibt. Ich nehme an, das bezieht sich auf den S-Bogen, oder? Was spricht für ein einteiliges? Ich denke, mit dem zweiteiligen hat man Möglichkeiten, den Bogen zu wechseln... warum sollte man dann ein einteiliges kaufen?

    - Hoch g-Klappe: Habe gesehen, dass es bei einigen Sopranos eine hoch-g Klappe gibt. Ist das empfehlenswert? Andererseits habe ich gelesen, dass durch das zusätzliche Tonloch der Hals zusätzlich geschwächt wird. Was meint Ihr dazu?

    Grüsse, Wanze
     
  2. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Moin,

    das sind ja viele Fragen, daher erst mal nur ganz kurze Antworten

    Es ist schwerer zu spielen als Alt oder Tenor, und daher als Anfängerinstrument nicht zu empfehlen

    Es ist keineswegs leiser, tasächlich eher durchdringender

    Das ist pure Geschmackssache. Angeblich klingen gebogene etwas weicher, weniger kehlig und intonieren schlechter, es geht aber auch anders. Mir hat beim Gebogenen nicht gefallen, dass ein Großteil des Sounds direkt in meine Ohren aus dem Becher kommt, ich fand das grausam. Das Gerade ist auf der Bühne ziemlich besch.... abzunehmen.

    Richtig, auf den S-Bogen bezieht es sich. Bei einem guten Instrument macht es nix, trotzdem schwören die Puristen auf einteilige, und das neue Sopran von Yamaha ist auch einteilig (und auf Wunsch mit gebogenem Hals)

    Ich finde Hoch-G überflüssig, ob es wirklich stört -> vorherige Frage.

    Gruß,
    xcielo
     
  3. Raggae

    Raggae Ist fast schon zuhause hier

    Mein Sopran (gebogen) ist so laut und durchdringend, dass ich damit im Gegensatz zum Tenor fast nur mit Hörschutz übe (Elacin). Allerdings habe ich auch eher empfindliche Ohren. Nachts würde ich damit auf GAR keinen Fall üben, aber das würde ich auch mit dem Tenor nicht.
     
  4. Roland

    Roland Strebt nach Höherem

    Moin!

    Jein. Es ist zwar zickiger als Alt oder Tenor, aber es wird bei Kindern, denen einen Alt noch zu groß ist, als Einstiegsinstrument mit Erfolg gewählt (ich kenne ein paar Fälle).

    Andererseits finde ich Klarinette noch zickiger, wg. Grifftechnik und variablem Resonanzverhalten, und da ängt keiner mit Altklarinette an. :)

    Oh ja. Wenn ich da volle Kanne reintut, muss meine Freundin zwar nicht alle, aber schon viele Register an ihrer Kirchenorgel ziehen. :)

    Mich würde die Direktbeschallung auch stören, andere widerum empfinden das als Vorteil, wenn man sich auf der Bühne hören will. Da gibt es sogar einen, der spielt ein gebogenes Sopran mit geradem Hals.

    Für die mikrophonierung: Ich bin bis jetzt nur mit einem mikro abgenommen worden, aber eigntlich wäre zwei besser, eins über den Klappen und eins vorm Becher.

    Wäre mein Traum: endlich kein Gefummel mit dem tüddeligen S-Bogen. Wenn man sich für einen entschieden hat, bleibt man meistens dabei. Ich nehme immer den gebogenen.

    Aber ich käme jetzt nicht auf die Idee, mit Verlust mein schönes Sopran (YSS-875) zu verkaufen, um ein einteiliges zu erwerben. Da muss ich erst noch 10 Jahre üben, mindestens. Dann kann man darüber reden. :)

    Ich hab kein Hoch-G und habe es noch nicht vermisst. Leute, die das Sopran beherrschen, können da noch 1 bis 1.5 Oktaven Altissimo draufsetzen. Let's get supersonic ....

    Grüße
    Roland
     
  5. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Hallo Roland,

    eben, eigentlich wären 2 notwendig, aber bei 2en bekommst du ein Problem mit Phasenverschiebung, Interferenz und ggf. Auslöschung. Das kann Alles zunichte machen.

    Gruß,
    xcielo
     
  6. Florentin

    Florentin Strebt nach Höherem

    Noch ein paar zusätzliche Gedanken:

    Gebogene Soprane:

    - Griffmässig ist alles noch enger als beim geraden. Sollte man vorher ausprobieren, ob das noch zu den Händen passt.

    + Ein Vorteil ist, dass man wie bei den grösseren Saxen einen Gurt zur Gewichtsentlastung nehmen kann. Damit ist das Gewicht kein Thema mehr. Das geht beim ganz geraden praktisch gar nicht. Beim gebogenen S-Bogen gehts, aber der Hebelarm ist grösser und es wirkt auf Dauer schwerer. Auch hier muss man probieren, ob man ein gerades Sopran auf Dauer halten will (man muss es ziemlich hoch = flach halten !)

    + Wenn man nach Noten spielt und im Orchester hinter einem Notenpult sitzt, steht einem ein ganz gerades im Weg. Führt dazu, dass viele den Kopf runterneigen, was nicht optimal ist.


    Laut und durchdringend ?

    Ja, meist hört man Sopransaxophone so. Ist aber eine Frage des Mundstücks. Mein Rascher-Mundstück mit Hemke-Blättern gibt einen dunklen, warmen Klang, der nicht laut und durchdringend ist. Muss man aber wissen, ob man so klingen will.

    Trotzdem würde ich Sopran nicht in der Nacht üben. Klarinette oder Flöte ist da noch leiser.

    Vorteil beim Sopran ist, dass es auf Reisen leichter mitgenommen werden kann.


    Einteilig oder nicht ?

    Ich bin ein Fan der einteiligen Bauweise. Robuster (z.B. beim Nachstimmen am Mundstück !) und leichter.



    Hoch-g ?

    Ist meiner Meinung nach eher ein Nachteil, weil es das Instrument nochmal komplizierter und schwerer macht. Wer wirklich so hoch rauf spielen will, kann auch die Toptone-Griffe lernen. Viele haben schon bis zum fis Probleme mit Ansprache und Intonation.
     
  7. Florentin

    Florentin Strebt nach Höherem

    Von jeder Bauart gibt es gute und schlechte Instrumente bzgl. Intonation. Möglicherweise führt die bessere Selbstwahrnehmung beim gebogenen zu besserer Intonationsdisziplin des Spielers.

    Das Zickigste am Sopransax ist wohl die Intonation. Die ist bei der Klarinette stabiler (wenn man die ganz hohen Töne mal kann), weil die Mundstücke weniger offen sind.

    Ich fand, dass man Sopransax sehr regelmässig üben muss. Tenorsax verzeiht einem da viel längere Pausen.
     
  8. Florentin

    Florentin Strebt nach Höherem

    Wenn Du damit die "Saxello"-Form mit leicht hochgebogenem Becher meinst: Ein praktischer Nachteil ist, dass sie nicht auf die "normalen" Ständer passt. Es gibt einige wenige Ständer dafür, die nicht leicht zu finden sind, und die wohl auch nicht in den Koffer passen. Praktischen Vorteil sehe ich eigentlich nicht. Sind aber selten und damit echte Hingucker.
     
  9. Wanze

    Wanze Strebt nach Höherem

    xcielo schrieb:
    Ja, alles was ich über Sax wissen wollte, und mich nie zu fragen traute :cool:

    Aber da sind ja auch schon viele Antworten gekommen! Erstmal herzlichen Dank!

    Florentin schrieb:
    Oops, das war mir noch völlig unbekannt. Heißt das, normalerweise spielt man gerade Sopran-saxe ohne Gurt!? Das stelle ich mir tatsächlich ganz schön schwer vor!


    Florentin schrieb:
    Tatsächlich, die meinte ich, wieder was gelernt. Wusste ich auch nicht, das das Saxello heisst.

    Wikipedia schrieb:
    Schade aber auch. Die Dinger sehen ja echt spitze aus. Gibt es ausser Rampone&Cazzani noch andere moderne Hersteller?

    Grüsse,
    Wanze
     
  10. cara

    cara Strebt nach Höherem

  11. Thomas

    Thomas Strebt nach Höherem

    hier vielleicht
    LG
    Thomas
     
  12. TootSweet

    TootSweet Ist fast schon zuhause hier

    Ich spiele mein gerades Sopran seit zig Jahren ausschliesslich mit Halsgurt. Es ist mir schleierhaft, warum das "praktisch gar nicht" gehen sollte.
     
  13. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Moin,

    ich spiele mein gerades Sopran auch mit Gurt, und Dank des dafür extra gebauten Balancer geht das auch "fast" so gut wie bei einem gebogenen.

    Gruß,
    xcielo

    [img align=left]http://www.saxophonforum.de/uploads/resized_pic_2979_49b5224e096aa.jpg[/img]
     
  14. Florentin

    Florentin Strebt nach Höherem

    Ich spiele mein (ganz) gerades Sopran auch immer mit Gurt. Der ist bei mir aber nur von psychologischer Wirkung (sonst hätte ich das Gefühl, das Ding kann mir runterfallen) und entlastet das Gewicht nicht. Konkret habe ich einen Klarinettengurt von Neotech mit elastischer Halsauflage, aber so weit eingestellt, dass er beim Spielen nicht gespannt ist. Nur in Spielpausen hilft er.

    Auch mit Balancer kann doch eine Gewichtsentlastung nur stattfinden, wenn das Instrument ziemlich steil nach unten zeigt (Winkel ähnlich wie bei einer Klarinette). Dann ist aber entweder der Anstellwinkel des Mundstücks zu steil, oder man spielt immer mit vorgeneigtem Kopf (was man tatsächlich sehr oft sieht).
     
  15. Florentin

    Florentin Strebt nach Höherem

    Auch Cannonball bietet Arc Sopranos an.


    Ich hatte eine Zeit lang ein Rampone & Cazzani Saxello. Wunderschönes Instrument, wunderschöner Klang. War mir aber für meine Verwendung letzten Endes zu unpraktisch.
     
  16. Rick

    Rick Experte

    Hallo Wanze!

    (Hab mir übrigens schon mal beide Bücher Deines Nicks angeschafft und bin gespannt drauf, klingt ja lustig und vielversprechend!)

    Nö.
    Ich spiele auch mein gerades Sopran prinzipiell mit Gurt und habe damit keine Schwierigkeiten.

    Anfangs war das Sopran zugegebenermaßen von der Haltung her etwas gewöhnungsbedürftig (unter anderem), doch im Lauf der Zeit bekommt man den Bogen raus, finde ich.
    Ist nun mal ein anderes Instrument als Alto oder Tenor.


    Also ich habe meine Gewichtsprobleme in anderer Hinsicht. ;-)

    In der Big-Band, wenn ich schnell zwischen Alto und Sopran wechseln muss, spiele ich das Sopran auch mal (im Sitzen) zwischendurch "ungegurtet", das geht ohne weiteres.
    Man muss sich ja nicht gleich das schwerste Exemplar zulegen! :-D

    Gut, ein ganzes Konzert lang möchte ich es nicht unbedingt (im Stehen) ohne Gurt spielen müssen, aber das ist sicher auch eine Routinefrage - wenn man sich Lester Youngs bevorzugte Spielhaltung anschaut, erkennt man, dass doch wohl so einiges möglich ist, wenn man es nur ausreichend trainiert hat! :lol:


    Schöne Grüße,
    Rick
     
  17. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Hallo Florentin,

    grundsätzlich hast du Recht, eine Erleichterung ist dennoch feststellbar.

    Die Gewichtsreduktion für den Daumen geht ungefähr mit dem Sinus des Anstellwinkels (0° = waagrecht, 90° senkrecht nach unten), und beträgt damit schon bei 30° die Hälfte.

    Außerdem wird das Instrument besser fixiert, durch den Balancer dreht es sich auch nicht so einfach, bspw. beim Greifen der Palm keys.

    Gruß,
    xcielo
     
  18. Florentin

    Florentin Strebt nach Höherem

    Hallo xcielo,

    ich möchte jetzt nicht wegen des Sinus streiten (da gehts ja wohl um den Winkel des Gurts, der ja nochmal kleiner ist als der Winkel des Korpus).

    Lieber die Frage nach dem Balancer: ist der an der Marschgabelhalterung befestigt ? Selbstgemacht oder von Codera ?
     
  19. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Streite ruhig ein bisschen, du hast ja Recht, und an der Schnur ist die Lastverteilung eh nochmal anders, gefühlt sind es aber eher mehr als 50 % ;-)

    Der ist an dem Ring befestigt, der eh zur Aufnahme eines Gurtes dient und wurde mir von der Fa Müller in Bremen gebastelt (Danke an der Stelle noch einmal).

    In meinem Profil gibt es noch ein anderes Bild davon.

    Gruß
    xcielo
     
  20. Florentin

    Florentin Strebt nach Höherem

    Na gut, wenn Du drauf bestehst ...

    Nehmen wir also einen Winkel von 30 Grad von der Schnur zur Waagrechten an (dann steht das Instrument schon steiler als optimal wäre).

    OK, dann nimmt die Schnur 50 % der Gewichtskraft des Instruments.

    Und wieviel Kraft müssen dann die Arme normal dazu aufbringen ?

    Richtig, cosinus von 30 Grad, etwa 87 % der Gewichtskraft. Also noch nicht gross entlastet ...
     
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