interessante Aussage zum Improvisieren

Dieses Thema im Forum "Improvisation - Harmonielehre" wurde erstellt von bildGRAV, 30.September.2012.

  1. bildGRAV

    bildGRAV Ist fast schon zuhause hier

    Hallöchen!
    Habe mir gerade dieses Video über/ mit Keith Jarrett angesehen (Interview mit Keith Jarrett).
    Besonders interessant finde ich seine Aussage bei 1`25": "Improvisieren ist mein Leben und gelernt habe ich das nur über die Klassik".
    Das macht mir als Klassiker Hoffnung! :)
     
  2. Brille

    Brille Strebt nach Höherem

    Nur mal so: Die Jungs wie Bach und Beethoven hatten noch nicht die U/E-Schere im Kopf, sondern waren da quasi nicht festgelegt. Die "klassischen Klassiker" der Gegenwart, können desöfteren nicht improvisieren, weil sie durch ihre Ausbildung und Herangehensweise öfters ziemlich festgelegt sind (im Kopf).

    Aber wie immer: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich wünsche jedenfalls viel Erfolg!

    P.S. Ich halte die Trennung Klassik-Jazz für völlig Banane und bin gerade dann, wenn die Grenzen bereist werden, öfters ziemlich begeistert.
    Grüße
    B.
     
  3. cara

    cara Strebt nach Höherem

    Brille schrieb:
    Da hast du einen weisen Satz gesagt. :-D

    Schubladen und Grenzen führen langfristig immer zur Stagnation, nicht nur in den Naturwissenschaften und der Politik.
    Die Biologie zeigt uns, wie Evolution, Entwicklung entsteht: durch Mischung

    Ich bin sicher, dass die alten Musikerköpfe damals (die, die wir heute Klassiker nennen) gemischt haben, wie nur geht und dass sie dabei ihren Spaß hatten, wie nur geht. :-D

    Grenzen und Schubladen dienen lediglich einem borniertem "Interessensschutz". Letztlich drehen sich die "Interessensgeschützten" dann immer schön im Kreise und werden furchtbar langweilig und öde, auch in der Musik. :-(

    Den "Klassikern", den "Jazzern", ..... kann ich deshalb nur empfehlen:
    Kommt raus aus eurer Schublade! Die Welt ist wunderbar bunt und ebenso die Musik. :-D


    einen schönen Montag

    Cara
     
  4. chrisdos

    chrisdos Strebt nach Höherem

    Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, was er damit sagen will.

    Hat er sich Improvisation ausschließlich durch Beschäftigung mit klassischer Musik angeeignet? Gut, warum nicht. Improvisation ist ja nicht grundsätzlich an Stilrichtungen gebunden.

    Entscheidend ist doch die Auseinandersetzung mit Improvisation, nicht die mit Klassik.

    Wenn Du da nicht auf Sand baust.... :)
     
  5. slowjoe

    slowjoe Strebt nach Höherem


    Bei Keith Jarrett hats doch seiner Aussage nach auch funktioniert. Wieso also nicht?


    Improvisation gehörte schon immer ganz selbstverständlich auch zur "klassischen" Musik. Bach zum Beispiel gehörte zu den grössten Improvisateuren seiner Zeit.


    SlowJoe
     
  6. saxhornet

    saxhornet Experte

    Es ist durchaus bekannt daß Musiker wie Bach, Mozart und auch Beethoven (und weitere) in ihrer Stilistik erstklassig improvisieren konnten.
    Auch ich als Jazzer spiele gerne mal eine improvisierte Klassiknummer in nem Solo, wenn der Pianist checkt was ich gerade mache.

    Jazz und "Klassische Musik" sind unterschiedliche Stilistiken, mit teils gleichen aber auch anderen Regeln. Vieles im Jazz an Regeln zum Thema Harmonien findet man schon bei Bach (da findet man sogar melodische Wendungen die an modernere Musik stark erinnern). Wer also sich damit auseinandersetzt wird vieles im Jazz wiedererkennen. Die stärksten Unterschiede sind vielleicht in der Melodiebildung zu finden wobei das so auch nicht generell stimmt.

    Wir dürfen nicht vergessen das die jeweilige Stilistik zu ihrer Blütezeit die jeweilige Popmusik war und am häufigsten konsumiert wurde.

    Jegliche starre Trennung bringt dem Musiker heute gar nichts. Und es würde vielen klassischen Musikern heute gut tun in der Ausbildung das Improvisieren in der Gruppe mit klassischem Kontext zu lernen.
     
  7. Brille

    Brille Strebt nach Höherem

    Klar. Unwidersprochen. Impro war für Bach wie Beethoven integraler Bestandteil. Aber schau dir mal die an, die in der Gegenwart das Genre "Klassik" vertreten. Da ist das, gelinde gesagt, weniger der Fall, dass die imprrovisieren können. Grins.
     
  8. chrisdos

    chrisdos Strebt nach Höherem

    Ich habe das deswegen geschrieben:

     
  9. slowjoe

    slowjoe Strebt nach Höherem

    Ahso, ja, dem kann ich mich anschliessen, sehe ich genauso.


    SlowJoe
     
  10. Toffi

    Toffi Strebt nach Höherem

    Hallo zusammen,

    man könnte jetzt schon wieder den Threadtitel umbenennen in "interessante Aussagen zum Improvisieren".

    Alles in positiver Weise bedenkenswert hier.

    Zu Bach denke ich so spontan dann doch, dass er eine klare Trennung von "E" und "U" vornahm, dass eben auch seine "weltlichen" Werke wie z.B. die Orchestersuiten und die Brandenburgischen Konzerte zwar für "höfische" Gelegenheiten u.ä. komponiert wurden, aber doch ein deutlich anderes Kaliber darstellen als die "Popmusik" seiner Zeit.

    Aber in Sachen Improvisation dürfte der große Meister sicherlich wenig Scheu gehabt haben und ebenso herausragend in seiner Zeit sein wie in Sachen Tonsatz und Klangkörper-Nutzung.

    Aber wie schon gesagt wurde, sollte die Entwicklung zur Improvisationsfähigkeit nicht so sehr mit einem bestimmten Stil zu tun haben, eher mit der Beschäftigung eben mit der Improvisation ;-)

    Mir tat auf dem Weg zur Improvisation sehr gut die Beschäftigung mit Folklore sowie mehr noch mit Klezmer - das Aufgreifen einer einfachen Melodie, diese Umspielen, variieren, erweitern (oder verkleinern), "meditieren"...

    Herzliche Grüße

    Christoph
     
  11. Roland

    Roland Strebt nach Höherem

    Moin!

    "All music is folk music. I ain't never heard a horse sing a song."
    - Louis Armstrong

    Von daher ... :)

    Aber, wie schon erwähnt, die Aufführungspraxis war in der 'Klassik' (als Gegenposition zu 'Jazz') früher deutlich improvisiationslatiger als heute, von Avantarde und Kirchenmusik mal mal abgesehen.

    Leider treffe ich immer wieder Leute, die nicht improvisieren können, obwohl sie's eigentlich wollen. Scheint irgendwie nicht so in der Didaktik des klassischen Unterrichts verankert zu sein.

    Andererseits gibt's ab und an Autodidakten, die 'irgendwie' improvisieren, aber nicht wissen was sie tun und auch keinen geraden Ton spielen können. Da ist die Kreativität da, aber Struktur und Insturmentenbeherrschung unterentwickelt.

    Ich komme aus der Klassik und habe mir die ersten drei Jahre autodidaktisch Sax beigebracht, also darf ich lästern! :)


    Wäre schön, wenn man Alles irgendwie abdecken könnte.
    F:'Kennse Beethoven's 6.?'
    A:'Nee, hasse Changes dafür?'

    Liebe Grüße
    Roland


    PS:
    Und wer Noten lesen kann und mit Changes umgehen kann, darf als nächstes mal Generalbass versuchen.
     
  12. chrisdos

    chrisdos Strebt nach Höherem

    Na hör mal....ich bin Pazifist!
     
  13. HanZZ

    HanZZ Ist fast schon zuhause hier

    Obwohl er Mr. Ed noch hätte kennen können :)

    Cheers
    HanZZ
     
  14. Mont-Paix

    Mont-Paix Schaut öfter mal vorbei

    Tach,

    ich glaube auch, dass das ein Problem des Unterrichts ist, wie er landläufig erteilt wird. Zum Beispiel, wenn das Auswendigspielen nicht geübt wird oder man zu dem eingeübten Stück die Theorie (Form, Harmonielehre) nicht betrachtet.

    Andererseits traue ich den Spitzenkräften auch im klassischen Bereich zu, dass sie improvisieren können.
    Könnte also ein Manko im Elementarbereich sein - was meint Ihr?

    Vielleicht ist das aber auch ein Vorurteil, wirklich guter Unterricht umfasst auch im Klassikbereich das Auswendigspielen und die Theorie.
    Ich habe das selber erlebt - aber Vorsicht: ich komme vom Klavier, und da ist das vielleicht auch leichter umzusetzen als bei Solo- und Orchesterinstrumenten.

    Gruß,
    Jo
     
  15. Mont-Paix

    Mont-Paix Schaut öfter mal vorbei

    ...übrigens:

    Bach, Präludium C-Dur aus dem Wohltemperierten Clavier I
    beginnt mit I - ii7 - V7 - I

    ...und bei U-Musik und Bach sind mir spontan die Bauern-Kantate und Kaffee-Kantate
    eingefallen.

    Sorry - could not resist.
     
  16. DirkThomsen

    DirkThomsen Ist fast schon zuhause hier

    Hallo,
    ich war neulich bei einem Jazz-Workshop: Einer der anderen Teilnehmer war emeritierter Professor von der Musikhochschule XYZ, ehemaliger 1.Trompeter des Nationaltheaters in XYZ und nun als "kleines Licht" beim Jazz-Workshop. Nach eigener Aussage hatte er mit Klassik "abgeschlossen" und wollte nun das Improvisieren lernen. Was die Beherrschung des Instruments anbelangt, war er allen übrigen Teilnehmern natürlich meilenweit überlegen und auch hinsichtlich der Improvisation alles andere als schlecht, bloss war im Spiel der "brave" Klassiker durchaus rauszuhören. Daneben kenne ich mehrere an Musikhochschulen ausgebildete Klassiker, die sich bei der Improvisation vielleicht besser anstellen würden als ich, dies aber einfach nicht trauen zu tun. Wahrscheinlich sind die auf "klassischer" Ebene zu gut und haben zu hohe Ansprüche an sich selbst, als dass sie sich vor Publikum "blamieren" und als Anfänger auf diesem Gebiet darstehen möchten.

    Viele Grüße, Dirk
     
  17. Gast

    Gast Guest

    Wenn dir jedes Dirty-Spielen früh aberzogen wird, wenn smear, slide, growl, shake, gliss, bend usw. als absolut bäh gelten und nur saubereste Glissandi und schulmäßig ausgeführte Triller verwendet werden dürfen, wenn zwischen Mazurkapunktierung und geraden Achteln nix ist, ist es kein Wunder, dass der klassisch geschulte Kollege "auffällt".

    Die Trennung war "früher" allerdings schlimmer, als man noch ENTWEDER im Klassikhaushalt ODER im Operetten/Schlager/Jazz-Haushalt groß wurde.

    Herman
     
  18. Toffi

    Toffi Strebt nach Höherem

    Klar, so 1-2 Handvoll weltlicher Kantaten hat er als Auftragswerke auch geschrieben, macht knapp 1 % seines Gesamtschaffens ;-) (und er wird garantiert auch nicht "igitt, weltlicher Text" gesagt haben, das sehe ich ein)
     
  19. fruitbat

    fruitbat Ist fast schon zuhause hier

    Nun, den braven Klassiker hat er im Ohr und in den Fingern. Mir ging es ja auch so. Nach vielen Jahren Klassik, hab ich auch erstmal sehr klassische Phrasen verwendet. Erst nach 3 Jahren Bigband und entsprechendem Unterricht haben sich die Hörgewohnheiten verändert und dann wurden die Soli automatisch jazziger. Das kam mit der Zeit und irgendwie von selbst.
     
  20. Gast

    Gast Guest

    Das meinte ich. Hörgewohnheiten ändern, Spielgewohnheiten, sprich Phrasierung ändern. Und das geht am besten im Anpassungsdruck eines Big Band-Satzes.

    Ein Junior-Highschool-Big-Band-Saxer kann problemlos im klassischen Streichersatz Cello sägen lernen. Davon sind bei uns auch heute noch die meisten jungen Musiker weit entfernt. Dafür ist die E/U-Schranke noch viel zu aktiv und auch idiologisch verfestigt.

    Herman
     
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