Was ist eigentlich Jazz und warum

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von GelöschtesMitglied14902, 28.April.2023.

  1. Roland

    Roland Strebt nach Höherem

    Man könnte ja einfach mal darüber reflektieren, was uns so betrifft und aus anderen Kulturen kommt.
    Wer z.B. Jeans und T-Shirt aus Baumwolle trägt, Currywurst mit Pommes isst und mit Bargeld bezahlt, kann sich schlecht über kulturelle Aneignung beschweren.

    Grüße
    Roland
     
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  2. Werner

    Werner Strebt nach Höherem

    Genau, ein oder zwei der Merkmale nach Behrend zeigen nicht automatisch auf Jazz. Aber auch wenn bei Vorhandensein aller drei seiner Merkmale dies nicht zwingend Jazz bedeutet, so ist die Wahrscheinlichkeit, das es sich dann um Jazz handelt, relativ gut. Insofern könnte man diesen, sagen wir "Eingrenzungsversuch" im Hinterkopf behalten.

    (Wichtigkeit der Improvisation
    Individueller Sound und Stil der Musiker, also kein genormtes Klangideal.
    Intensive und komplexe Rhythmik.)
     
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  3. Rick

    Rick Experte

    Was mich angeht: Energie, Lebensfreude, Freiheit.
    (Auch die Freiheit vom Drang nach Definitionen.) ;)

    Aufgewachsen bin ich mit dem Definitionsversuch von J. E. Behrendt, dann wurde ich konfrontiert mit "Dixie-Opas", für die bereits Charlie Parker kein Jazz mehr war.
    Dann kam ich aus der "Jazz-Diaspora" Marburg ins damals US-amerikanisch geprägte Heidelberg, wo ich das Glück hatte, Jazz quasi aus erster Hand zu erleben. Die afro-amerikanischen Musiker dort hatten zwei einfache Regeln für mich:
    - Es kommt nicht darauf an, WAS du spielst, sondern WIE. (Das sahen die meisten deutschen Kollegen komplett umgekehrt, denen ging es sehr stark um die "richtigen" Akkorde und Licks...)
    - Auf jeden Fall muss es "swingen" und emotional bewegen.

    Und nicht wenige lehnten Bezeichnungen sowie Kategorisierungen komplett ab. Sie suchten eben nicht nach Unterschieden, sondern nach Gemeinsamkeiten:
    "No matter if it's from Mozart or Ellington, it can be played good or bad. Everything can be beautiful." :)
     
  4. giuseppe

    giuseppe Strebt nach Höherem

    Ich habe den Eindruck, dass es zumindest im „Mainstream“ (sorry für den nach Definition schreienden Begriff) sehr enge Vorstellungen davon gibt, wie ein Sax klingen muss, damit man es als zeitgemäß und gut empfindet.
    Ich würde z.B. sagen, die angesagten Tenorsounds der Frontliner bewegen sich aktuell in einem Spektrum, ähnlich dem, was in der Hardbop/Postbop/Blue-Note-Ära angesagt war, nur mit größerem Luftanteil im Sound aufgrund offenerer Mundstücke und mehr Baffle-Brightness. Ist auch ein gutes Soundmodell für meinen Geschmack. Aber wenn du angesagt sein willst, muss du irgendwie so ähnlich klingen, sonst wird das schwieriger. Selbst klassische Jazz-Sounds und Stile wie die von Pres, Bean, Webster und sonstiges Fufu sind gerade alles andere als wirklich hip, höchstens referenziell. Ist in der Reinform was für alte Herren und bei Traditionalisten geduldet.
    Brecker und noch Helleres pflanzte dich zuletzt per Definition klar in die Funk- oder Smooth-Ecke, wobei dieser Sound zuletzt wieder ein bisschen im Kommen ist, insbesondere die Art der „Edgyness“. Schwer nachvollziehbar? Macht nichts.

    Und mit der Stilistik/Phrasierung ist es für mein Gefühl mittlerweile eigentlich fast so eng umschrieben, wie in der Klassik.

    Bei der Rhythmik habe ich auch eher das Gefühl, dass das, was für Behrends neu und komplex war, mittlerweile in allen Genres der Populärmusik als Standard Einzug gehalten hat. In einem Feld aus Elektromusik, Pop und Weltmusik mit Süd- und Mittelamerika oder Indien sticht Jazz für mein Gefühl eher durch eine aus heutiger Sicht relativ traditionelle Rhythmik heraus.
    Ist aber subjektives Empfinden…
     
  5. ppue

    ppue Mod Experte

    Ich mag die Oberschlausprüche von so einigen Musikern gar nicht, die triefen gefährlich vor Eigenlob und sind mehr auf Wirkung, als auf Aussage bedacht. Das Davis-Zitat mit den falschen Tönen ist auch ein solches.
    Auf Workshops werden sie dann gerne dem staunenden Auditorium weitergegeben und zu Hause weiß keiner mehr genau, was er damit anfangen soll.
     
  6. GelöschtesMitglied14902

    GelöschtesMitglied14902 Guest

    Ich habe mal gelernt. Es gibt keine falschen Töne. Wenn ich einen (angeblich) falschen Ton spiele,muß ich ihn einfach mit vollster Überzeugung spielen,sogar laut und mehrfach hintereinabder. Und dann…..zu einem richtigen Ton auflösen.
    Dann denkt das erst verwirrte und dann euphorische Publikum,das war Jazz ;)

    Heee,jetzt haben wir doch die Erklärung. Endlich und unwiederruflich.

    Jazz ist falsche Töne richtig zu spielen :duck:
     
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  7. Argonrockt

    Argonrockt Ist fast schon zuhause hier

    C-chromatisch Chaos
    C-Dur falsch
    ....ab einem gewissen Abstraktionsniveau definiere ich in diese Richtungen...
     
  8. Silver

    Silver Strebt nach Höherem

    Das macht für mich den Unterschied zwischen guten und weniger guten Workshops (oder anderen Lerneinheiten) - keine Binsen, keine Sprüche sondern Material, an dem man zuhause konkret weiterarbeiten kann.

    Aber das soll es gelegentlich auch bei Workshops in anderen Genres als Jazz geben ... habe ich gehört.

    Deshalb: :topic:


    Jazz ...
    • swingt - oder auch nicht
    • improvisiert - oder auch nicht
    • hat viele, viele Akkorde - oder auch nicht
    • ist amerikanischen Ursprungs - oder afrikanischen oder indischen oder schräg phrasierter Barock oder...
    • ist das, was Weissbrote nicht drauf haben - oder doch
    • ist eine kulturelle Revolution (gewesen) - oder eigentlich seichte Tanzmusik
    • usw.

    Ganz schön schwer zu fassen, dieser Jazz...
     
    Sax a`la carte, zwar, giuseppe und 3 anderen gefällt das.
  9. Roland

    Roland Strebt nach Höherem

    Nur scheiß Übergänge. :)

    Wir hätten da noch:
    “You've been making the wrong mistakes.”
    "I played the wrong wrong notes."
    -- Thelonious Monk

    Grüße
    Roland
     
  10. Wuffy

    Wuffy Gehört zum Inventar

    Was ist eigentlich "Gute Musik" und "Schlechte Musik" und warum ?
     
  11. Gelöschtes Mitglied 15173

    Gelöschtes Mitglied 15173 Guest

    Jazz is a spirit - Jazz means no categories
    Super Video mit einem prima Text zu dem Thema.

     
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  12. Rick

    Rick Experte

    Für mich:
    Schlecht ist Musik, die uninteressant gespielt ist, ohne Inspiration, emotionslos und langweilig.

    Allgemein:
    Das muss jeder für sich selbst entscheiden. :cool:
     
  13. bthebob

    bthebob Strebt nach Höherem

    Da -grätsch- ich doch gerne rein !:)

    Mein "Sortier-Ansatz" .... letztens beim Ordnungmachen in der Wohnung.

    Jazz CDs sind die, .... die auf eine alte -Plaste CD Spindel- kommen.

    Alle Anderen landen in leeren Keksdosen. :D

    Ganz in Anlehnung an das Bühnenprogramm zum Thema -Kunst-
    vom Kabarettisten Jürgen Becker: "Der Künstler ist anwesend"

    Darin heisst es (Zitat):
    "Kunst ist alles, was von Hasenkamp transportiert wird"

    VG

    PS zum Verständnis:
    Hasenkamp ist eine etablierte Transportfirma im Kölner Raum,
    die sich auf den Transport von Kunst spezialisiert hat.
     
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  14. Witte

    Witte Ist fast schon zuhause hier

    Ick liebe Iron Maiden....;) Früher viel "Schwermetall" gehört..., viel Hardcore, und vor allem PUNK...;)
    Die erste Metalband, die mich damals wirklich fasziniert hat, war The Gathering, mit Anneke van Giersbergen...

     
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  15. GelöschtesMitglied14902

    GelöschtesMitglied14902 Guest

    Die kannte ich noch nicht. Richtig klasse,und die Sängerin mega Ausstrahlung.
     
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  16. kokisax

    kokisax Strebt nach Höherem

    Wenn man so spielt wie man diskutiert, das hin und her der "Argumentation", Worte durch Musik ersetzt, dann ist es eine hohe Form des Jazz.
     
    Rick, EKL und Gelöschtes Mitglied 5328 gefällt das.
  17. Wuffy

    Wuffy Gehört zum Inventar

    :danke:Toller Satz...werde ich mir merken ! ;)
     
    kokisax gefällt das.
  18. Still

    Still Schaut öfter mal vorbei

    Jazz ist für die meisten Menschen heute vor allem eins,
    absolut überflüssig!
     
    giuseppe gefällt das.
  19. Roland

    Roland Strebt nach Höherem

    - Diese Erkenntnis ist nicht gerade neu.
    - Was die meisten Menschen für einen Musikgeschmack haben,geht mir am <beliebiges Körperteil einsetzen> vorbei, ist für mich so relevant.
    - Ich sehe den Zusammenhang mit der Ausgangsfrage nicht so recht.
    Aber sonst, guter Einwand! :)

    Grüße
    Roland
     
    giuseppe gefällt das.
  20. Gelöschtes Mitglied 5328

    Gelöschtes Mitglied 5328 Guest

    Was es für die meißten Menschen bedeutet ist für mich völlig irrelevant.

    CzG

    Dreas
     
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